Wiederholungstäter: Abluxxen von Kramer und Kiesling

Zahlenkarten von eins bis dreizehn. Die Kartenfarbe spielt keine Rolle? Jede Karte gibt es acht mal, dazu ein paar Joker. Ich soll in jedem Zug beliebig viele gleiche Karten ausspielen, um als erster alle Handkarten loszuwerden und somit das Spiel zu gewinnen. Und manchmal bekomme ich Strafkarten auf die Hand. Das soll alles sein? Danke, „6 Nimmt“, „Phase 10“, „23 aufsteigend ablegen“ und weitere Spiele der selben Gangart habe ich doch zur Genüge. Warum glaubt der Ravensburger Spieleverlag, er könne mich mit einem weiteren Aufguß einer uralten Idee hinter dem Ofen hervorlocken, geschweige denn, von meinen üblichen Absackern abhalten?

Das waren so ungefähr meine Gedanken, als mir „Abluxxen“ zum ersten mal erklärt wurde. Spielen konnte ich es in dem Moment ohnehin nicht, der Erklärbär hatte es gar nicht dabei. Zwei Wochen später, nach einer längeren Partie (2 Neulinge) „Manhattan Project“ lag die grün-weiße Schachtel mit dem verschmitzt grinsenden Luchs dann auf dem Tisch. Was soll man machen. DIe Nacht ist noch jung, der Absacker liegt da und will gespielt werden, außerdem hatte der bereits erwähnte Erklärbär es ja gelobt und häufig sind unsere Geschmäcker kongruent.
Um es kurz zu machen: Abluxxen liegt mittlerweile bei mir im Regal und es würde mich wundern, wenn es nicht demnächst wieder gespielt würde. Was war geschehen?
Tatsächlich sammelt man bei „Abluxxen“ nur Karten, nach Möglichkeit lange Serien einer Farbe/Zahl. So weit, so durchschnittlich. Wolfgang Kramer und Michael Kiesling haben diesem altbekannten, simplen Spielprinzip allerding seinen hübschen Kniff verliehen:
In jedem Zug kann ein Spieler beliebig viele gleiche Karten ausspielen, nach Wunsch und Möglichkeit verstärkt durch Joker. Nach dem Ausspielen wird überprüft, ob Mitspieler in ihrem Zug die gleiche Anzahl Karten mit geringerer Zahl ausgespielt haben (Die Joker stehen in dem Fall über der dreizehn, stechen diese also bei gleicher Anzahl). Für jeden Mitspieler, der die Bedingung erfüllt, kann der Ausspielende, beginnend bei seinem linken Nachbarn, dann im Uhrzeigersinn folgend entscheiden, ob er die gestochenen Karten seiner Hand hinzufügen möchte. Tut er dies nicht, muss der Gegenspieler sie entweder zurücknehmen oder abwerfen und die gleiche Anzahl Karten vom verdeckten Talon oder den sechs offen ausliegenden Nachziehkarten auf die Hand nehmen.
Dadurch nehme ich meinen Mitspielern Punkte (jede ausliegende Karte zählt bei Spielende einen), drücke mir oder ihnen dadurch aber auch gleich Miese auf die Hand, denn das Spiel endet, sobald  jemand eine leere Hand hat und dann zählt jede verbliebene Handkarte einen negativen Punkt.
Der Reiz liegt nun darin, dass man von Runde zu Runde erneut entscheiden und einschätzen muss, ob es schlauer wäre, so wenige Karten mit so geringer Zahl auszuspielen, dass andere sie abstechen, weil man dann, sollte der Ausspielende von seinem Vorkaufsrecht keinen Gebrauchmachen, die Kartenhand für die Endphase optimieren kann. Oder spiele ich viele Karten in der Hoffnung, dass diese liegenbleiben und somit meine Auslage aus den  vorherigen Zügen vor dem Zugriff der anderen schützen. Spiele ich Karten, die bei anderen Spielern stechen und nehme diese nicht an mich, mache ich ihnen zwar Punkte, ermögliche ihnen im Gegenzug eventuell aber auch die Optimierung ihrer Hand.
Somit bietet eine Runde „Abluxxen“ 20 Minuten Spielspaß, die mit reichlich Dilemmata und Zwickmühlen dafür sorgen, dass sie wie im Fluge vergehen.

Fazit:
„Abluxxen“ wird wohl in wenigen Runden eine abendfüllende Beschäftigung werden, ist aber simpel genug, um von jedem verstanden zu werden und sorgt durch Tempo und sehr viel Interaktion für Emotionen am Spieltisch. Als Absacker oder Anwärmer wird es bei uns sicher noch lange treue Dienste leisten. Wie so häufig bei derartigen Spielen empfehle ich allerdings, es zu zweit gar nicht erst auszuprobieren, mag der Verlag behaupten, was er will. Mit mehr Spielern, insbesondere in Vollbesetzung ein klasse Spiel für Zwischendurch.

Abluxxen
Spieler: (2)3-5
Dauer: ca. 15 Minuten/Runde
Autoren: Wolfgang Kramer & Michael Kiesling
Verlag: Ravensburger
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2 Kommentare

  1. Auf den ersten Blick wirkt das Spiel nicht so taktisch, auf den zweiten dann allerdings schon. Klar, spielt Glück eine Rolle, aber die Entscheidungen, von denen es in hier viele zu treffen gilt, sind maßgeblich für die Punktzahl am Ende. Und das macht Lust auf eine weitere Partie.

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