Spiel mir das Lied vom Kniffel – Bang! the Dice Game

Bang the dice game

Zieh, Gringo!

„Cheyenne hatte recht. Wenn man vier umgelegt hat, macht einem der Fünfte auch nichts aus.“ Es gibt wohl kein Spiel, auf das dieses Zitat aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ besser passt als „Bang!“. Außer vielleicht seinem Kniffelderivat „Bang! the Dice Game“.

Da „Bang!“ von Emiliano Sciarra mit zwölf Jahren (Erstveröffentlichung 2002, deutsche Fassung 2005) heutzutage wohl als Klassiker durchgehen dürfte, wird im Folgenden nicht näher darauf eingegangen, allerdings Bezug darauf genommen. Falls gewünscht, befasse ich mich gerne ausführlich damit, sollte dies in den Kommentaren gewünscht werden.

Zu Beginn wird jedem Spieler wie im Original eine stereotype Italowesternrolle zugeteilt. In Minimalbesetzung von vier Spielern (Sonderregel für drei wird später erläutert) sind dies der Sheriff, ein Gesetzloser und zwei Banditen. Je nach Spielerzahl kommen noch bis zu einem Gesetzlosen, einem Banditen und zwei Hilfssheriffs ins Spiel. Der Sheriff gibt als einziger Teilnehmer seine Rolle bekannt, erhält als Ausgleich zwei zusätzliche Lebenspunkte und darf beginnen. Die anderen Rollen werden vor den Mitspielern geheimgehalten. Als Schmankerl gibt es für jeden Spieler noch eine an allseits bekannte Westernhelden (Willy the Kid, Lucky Duke etc.) angelehnte Charakterkarte, die einen einzigartigen Spielvorteil bringt. Ein Vorrat an Patronen (Lebenspunkte) und Indianerpfeilmarkern wird bereitgelegt und schon kann es losgehen.

Bang the Dice Game

Was nun folgt, unterscheidet sich wenig von den gängigen Schießereien Kniffeleien: Der aktive Spieler nimmt sich die fünf Spezialwürfel und würfelt bis zu drei mal mit ihnen, wobei (beinahe) beliebige Würfel für die Wertung beiseite gelegt werden. Selbstverständlich geht es aber nicht um Große Straße, Kniffel oder Viererpasch, sondern ganz handfest um Bier und blaue Bohnen. Die möglichen Ergebnisse der Sechsseiter sehen wie folgt aus:

Bang_A01Angriff in Reichweite 1: Der Spieler wählt seinen nächsten linken oder rechten Nachbarn, dieser verliert einen Lebenspunkt.

 

Bang_A02Angriff in Reichweite 2: Der Spieler wählt seinen übernächsten linken oder rechten Nachbarn, dieser verliert einen Lebenspunkt.

 

Bang_BeerDer Spieler wählt einen Spieler (auch sich selbst). Dieser erhält einen verlorenen Lebenspunkt zurück. Über den pädagogischen Wert dieses Ergebnisses lässt sich natürlich streiten…

 

Bang_PfeilIndianerangriff: Wird sofort ausgewertet! Der Spieler nimmt sich einen Pfeil aus dem Pfeilvorrat. Ist dies der letzte, erleidet jeder Spieler sofort so viele Lebenspunktverluste, wie er Pfeilmarker besitzt.

 

Bang_GatlingGatling: Liegen im Endergebnis (nach drittem Wurf) mindestens drei Gatlingsymbole, erleiden alle anderen Spieler einen Lebenspunktverlust und der aktive Spieler legt alle eigenen Pfeilmarker zurück in den Vorrat.

 

Bang_TNTDynamit: Darf nicht erneut gewürfelt werden. Hat der aktive Spieler drei oder mehr Dynamitsymbole, verliert er einen Lebenspunkt und sein Zug ist sofort beendet. Alle übrigen Würfel werden noch ausgewertet.

 

Das geht reihum so lange, bis eine Partei Ihre Siegbedingungen erfüllt hat. Die Banditen gewinnen sofort, wenn der Sheriff fallen sollte. Die Gesetzeshüter (Sheriff und Gehilfen) gewinnen, sobald alle Banditen und Gesetzlose ausgeschaltet wurden. Der Gesetzlose gewinnt, wenn er der letzte Überlebende ist.

 

Grundlegend muss man also, wie im Kartenspiel auch, über die Aktionen der anderen Spieler deduzieren, welche Ziele sie verfolgen, also welcher Fraktion sie angehören. Allerdings kann es in Bang! the Dice Game durchaus schnell passieren, dass man das Spiel als Leiche längst verlassen hat, bevor  auch nur irgendjemand die leiseste Ahnung von der Fraktionszugehörigkeit der Spieler hat. Insbesondere erweisen sich in dieser Hinsicht die Angriffe der Indianer als „hilfreich“…

Spielt man nur zu dritt, ändern sich die Siegbedingungen für die Spieler. In diesem Fall spielen ein Hilfssheriff, ein Gesetzloser und ein Bandit im Stein-Schere-Papier-Prinzip gegeneinander. Der Hilfssheriff will den Gesetzlosen töten, dieser den Banditen, der Bandit wiederum den Gesetzeshüter. Kann man machen, muss man aber auch wirklich nicht.

 

Fazit:

Nach vielen Jahren, in denen Bang! immer wieder ausgepackt wurde, wurde es irgendwie langweilig. Klar, das Italowestern-Shootout funktioniert, aber für meinen Geschmack zog es sich einfach zu sehr in die Länge. Habe ich das passende Pferd, das den Reichweitenvorteil der gegnerischen Waffe umgeht, oder ziehe ich Karten bei der Pokerprobe für das Fass, die mich ewig überleben lassen, ist das  Ding für die früh ausgeschiedenen zäh wie schlechter Automatenkaugummi.

Das Würfelspiel behebt genau diese Problematik. Scheide ich aus, dauert es maximal 10 Minuten bis zur nächsten Runde, in der ich meinen Gegnern mal so richtig zeigen kann, wo der Cowboy seine Stiefel versteckt. Blöd nur, dass meine Gegner von eben eventuell plötzlich meine Verbündeten sind…

Kurz und gut: „Bang! the Dice Game“ ist gut, da kurz. Es lebt davon, dass es ebenso lang ist, wie eine Runde „Bang!“ trägt, und das ist nun einmal kürzer als der Klassiker. Klar, Pferde, Waffen, Fässer etc. gibt es nicht mehr. Doch für alle, denen das Kartenspiel für das, was es bietet, zu lang dauert und für diejenigen, die ein flottes Würfelspiel für zwischendurch suchen, ist es super.

Bang! The Dice Game
Spieler: (3)4-8
Dauer: ca. 20 Minuten
Autoren: Michael Palm, Lukas Zach
Verlag: da Vinci/Abacus
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4 Kommentare

  1. Schnell erklärt, schnell gespielt, von Klein bis Groß können’s alle spielen!

  2. Schneller, aber genauso witzig und spannend wie der große Kartenbruder! Und durch die kürzere Spieldauer sind die Wartezeiten nicht so groß, wenn man mal wieder ausgeschieden ist.

  3. Hurra, Bang Bang kommt hier neuer Content. Weiter so!

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