Nichts für zwischendurch: Top Ten Vielspielerspiel

Foto von Ricardo630 Lizenziert als CC BY-SA 3.0

Nachdem hoffentlich alle  den Jahreswechsel gut überstanden haben, bekommt Ihr hier unsere gemeinsamen momentanen Top Ten an etwas aufwendigeren Spielen. Mancher nennt es Vielspielerspiel, andere fassen sie alle unter dem diffusen Sammelbegriff „Strategiespiele“ zusammen. Wie auch immer man sie nennen mag, hier sind unsere Top Ten Spiele mit meistens etwas mehr Regelfülle. Wobei Schach mit einer halben Seite auskommt, ebenso wie Go. Seid also nicht allzu erstaunt, hier auch leichtere Kost zu finden, die ihre Spieltiefe nicht aus der Regelmenge zieht, sondern aus der Komplexität innerhalb der Spielabläufe. Los gehts nach dem Klick:

  1. Rune Wars: Für uns momentan das beste Vielspielerspiel. Wer ein wirklich großartiges Area Control Spiel sucht, ist hier sehr gut aufgehoben. Die Tatsache, dass sich die vier Fraktionen wirklich unterschiedlich spielen und dennoch (mit leichter Ausnahme bei den Dämonen) ausgeglichen sind, macht es großartig. Kartengesteuerter Kampf, der dennoch sehr gut zu berechnen ist. Der Befehlsmechanismus, der die Spieler häufig zwingt, auf Bonusaktionen zu verzichten, weil das Optimum momentan anders aussieht, funktioniert großartig. Wer Spiele mit klarer Siegstrategie sucht, ist hier falsch aufgehoben, der Weg zum Sieg hängt vom wechselnden Spielplan, mehr noch von den Mitspielern ab. Schöne Aufmachung, übrigens. Und immer schön die „epische Variante“ spielen, alles andere verfälscht den Blick auf dieses Spiel.
    Schön auch, dass die Erweiterung super, aber nicht nötig ist. Wer will, der kann.
  2. Terra Mystica: Wahrscheinlich unser meistgespieltes Vielspielerspiel 2013 und 2014. Vierzehn Völker, sieben Landschaften, wechselnde Siegbedingungen (neben den starken Endwertungen), aber nur acht Aktionen, von denen im Großen und Ganzen nur fünf wirklich durchgerechnet werden wollen, überhaupt kein Zufall? Her damit, meine Art von Spiel. Kann man fast jedem erklären, jeder kann es relativ bald spielen. Gewinnen kann man es nur mit Erfahrung. Der einzige Grund, dass es nicht vor Rune Wars gelandet ist, ist, dass ein minimales, mehr oder weniger berechenbares Zufallselement Runewars den Extrakick an Emotion verleiht.
    Schön, dass Terra auch zu zweit gut funktioniert, wenn man manche Völker aus der Auswahl entfernt. Kurz: Das bessere Puerto Rico.
  3. Im Wandel der Zeiten: Der eine wirklich große Wurf Vlaada Chvátils. Eine Bekannte meinte kürzlich, er sei ein „Gott“. Wenn ich auch Atheist bin, muss ich dieser Blasphemie widersprechen. Chvátil ist ein durchschnittlicher Spieleautor mit erstaunlich großem Repertoire. Zwei große Würfe hat er vollbracht, auf Space Alert bin ich andernorts schon kurz eingegangen, Dungeon Lords könnte dazugehören, wenn man es mit weniger als vier Spielern wirklich spielen könnte. Aber der wirklich große Chvátil schlummert mit Im Wandel der Zeiten im „Hardcore“-Strategiebereich. Dieses wahrscheinlich bislang beste Zivilisationsspiels befindet sich aufgrund seiner Ausgeglichenheit schon beinahe im Simulationsbereich. Eine feste Gruppe vorausgesetzt, kommt es wahrscheinlich auch öfter als einmal jährlich auf den Tisch.

    Bildrechte liegen bei Pegasus

    Kurz: Großes Tennis für alle, die auf Schönheit weniger Wert legen als auf Funktionalität. Wer noch ein vergleichsweise bezahlbares Exemplar auftreiben kann, sollte zuschlagen.

  4. Trajan: Stefan Feld halt, könnte man sagen. Meiner persönlichen Meinung nach nicht sein bester Wurf insgesamt, der Zugmechanismus sorgt allerdings dafür, dass es wohl das Feld-Spiel schlechthin für Freunde schwerer Denkarbeit ist. Liegt in meepelchens Regal und wird definitiv in meinem landen. Da der Feld-Hype offenbar vorbei ist (schaut Euch mal die Verkaufszahlen von Aqua Sphere und La Isla an!), ist es Zeit, an einen seiner großen Würfe zu erinnern. Wie Üblich, können die Spieler auf diverse Arten an Punkte kommen und mit guter Mischung um den Sieg konkurrieren. Was Trajan aus der Masse der üblich Feldorgien heraushebt, ist zweierlei Neuerung: Die Zugauswahl via Via Kalaha-/Mancala-Zugmechanismus sorgt dafür, dass es wirklich schwer wird, das Ding über mehr als zwei Züge zu planen. Nummer zwei ist direkt daran geknüpft: Bin ich am Zug, muss ich nicht nur zusehen, mit meiner eigenen Bohnenschale die optimale Aktion – ergo eine gute Aktion plus Trajanplättchen – herauszuholen, sondern zudem üerlegen, wie viele Steine ich tatsächlich bewegen will, bestimmt dies doch direkt die verbleibenden Züge bis zum Rundenende, also bis zur vom Volk verlangten Befriedigung durch Brot, Spiele und religiöse Opfer.
    Kurz: Wer nicht nur viele Regeln studieren, sondern zudem während des Spiels durch Entscheidungsnot gequält werden will, sollte zugreifen. Trotz trockener Grafik umwerfend.
  5. Panic Station: Das erste wahrscheinlich kontroverse Spiel in der Liste. Mancher Vielspieler mag einwenden, dies gehöre aufgrund minimalen Regelaufwands gar nicht hier her. Wäre die Regel besser gegliedert, würden wahrscheinlich vier bis fünf dünne Seiten ausreichen. Enorme Spieltiefe erhält David Ausloos` mittlerweile vergriffenes Semikoop durch die Interaktion zwischen den Mitspielern. Diese hohe Position bekommt Panic Station für Partien in Vollbesetzung in einer möglichst homogenen Gruppe. Zumindest Erfahrung mit diesem Spiel sollte die Runde mitbringen, um möglichst viel aus diesem eigentlich simplen Titel herauszuholen. Lassen sich alle Mitspieler darauf ein und verstehen die tiefe Bedeutung der Zugmöglichkeiten, insbesondere des erzwungenen Kartentauschs, stehen Stunden über Stunden Spielspaß nichts im Wege. Von den bisherigen Veröffentlichungen des Autors wahrscheinlich die beste. Wer keines hat, kann sich als beinahe ebenbürtigen Ersatz gern Room 25 anschauen.
  6. Realm of Wonder: Kürzlich habe ich dazu noch geschrieben: „Realm of Wonder ist alles andere als ein spielerisches Schwergewicht.“ Und dennoch ist es jetzt hier auf dieser Liste gelandet. Was ist da los? Ganz einfach: Ich habe es bisher beinahe ausschließlich mit Leuten gespielt, unter deren Lieblingsspielen sich ausnahmslos Titel wie „Im Wandel der Zeiten“, Terra Mytica“, „Agricola“, „Five Tribes“ und ähnliches befinden. And tell you what: Sie hatten alle ein ums andere mal wirklich Spaß mit diesem Leichtgewicht! Einen anderen Grund gibt es wirklich nicht, das könnt ihr unter dem Link oben nachlesen. Wenig Regeln, schneller Ablauf. Dennoch wird es geliebt.Realm of Wonder
  7. Battlestar Galactica: Nummer eins unserer momentanen Koop-Top-Ten, mag es nicht verwundern, dass diese Perle auch hier landet. BSG ist eines der wenigen Spiele, die im Grundspiel wirklich gut sind, durch die Fülle der Erweiterungen allerdings noch einmal ganz anders aufleben (Im Gegensatz z.B. zum Kennerspiel des Jahres 2014, Istanbul, dem man anmerkt, dass es mit erst mit einer oder sogar zwei Erweiterungen wirklich fertig ist). Mit dem richtigen Satz an Zusatzmodulen, von denen jede Erweiterung mehrere bietet, dürfte BSG wohl das beste (Semi-)Koop am Markt sein. Gewiß nicht so aufwendig wie Robinson Crusoe oder Arkham Horror, aber von keinem an Spannung und thematischer Dichte geschlagen.
    Ich empfehle zumindest mit Pegasus, persönlichen Zielen und Schicksalsbegegnungen zu spielen. Die Götterdämmerung wartet hier noch auf Erprobung.
  8. Smash Up!: Siehe Realm of Wonder. Eigentlich zu einfach, um in einer Vielspielerliste aufzutauchen, besticht Smash Up! durch enorme Spieltiefe in-game. Dieses kleine Kartenspiel kann erstaunlicherweise abendfüllend sein. Weil man es selten bei einer Partie belässt. Natürlich kann ich Spiele wegen Nachziehpechs verlieren, aber im Großen und Ganzen gewinnt, wer das Optimum aus seinen Fraktionen rausholt. Drei der bisher im Deutschen erschienenen Erweiterungen würde ich ebenso empfehlen wie das Grundspiel. Cthulhu musste hier natürlich sein, ist spielerisch aber leider fragwürdig. Abgesehen davon: Roboter-Dinosaurier gegen Zombiepiraten? Bin ich dabei.
  9. Magister Navis: Trotz der Einschränkung, dass man es eigentlich in Vollbesetzung, mindestens aber zu viert spielen sollte, ein absoluter Hit. Magister Navis besticht durch eine hohe Entscheidungsdichte in jedem Zug und das Fehlen einer eindeutigen Siegstrategie. Durch die Steigerung der Anzahl möglicher Aktionen zum Spielende hin entsteht ein schöner Spannungsbogen. Man sollte es allerdings ertragen können,auch für die Niederlage selbst verantwortlich zu sein.
  10. Cyclades: Überzeugend an Cyclades ist vor allem die perfekte Einbindung der Aktionsversteigerung in Kombination mit dem Zwang, alles, aber auch wirklich alles für zwei aufeinanderfolgende Runden zu planen. Mit Armeen durch die Kykladen zu tingeln und alte Bekannte aus der griechischen Mythologie zu nutzen, um den Mitspielern eins auszuwischen, ist gut und schön. Dass aber die Aktionsversteigerung dafür sorgt, dass man dieses Spiel nahezu rein destruktiv spielen muss, während man daraus das Beste für den eigenen Aufbau herausholt, macht Cyclydes seit Jahren zu einem meiner all-time Favoriten. Und ich hasse, nebenbei bemerkt, Versteigerungen im Spiel. Hier nicht.

    Cyclades Spiel

    Schachtelgrafik von Cyclades aus dem Hause Matagot

 

Wie sehen Eure Favoriten aus? Habt Ihr Agricola auf dieser Liste erwartet und vermisst? Lasst uns Eure Anregungen und Kritik da. Bis dahin: Weiterspielen!

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6 Kommentare

  1. Ich vermisse hier Puerto Rico. Das Spiel ist zwar schon ein bisschen älter, aber irgendwie gehört es für mich zu den Vielspielerklassikern. Relativ wenig Regeln sorgen für eine hohe Spieltiefe. Allerdings muss ich zugeben, dass wir es auch nicht allzu häufig spielen. Das liegt möglicherweise daran, dass wir zu viele ebenfalls gute Alternativen haben. Aber wenn es auf den Tisch kommt, find ich es klasse, vor allem die grafisch aufpolierte Version.

  2. Agricola vermisse ich nicht. Auf meiner Top Ten würde definitiv noch Mage Knight das Brettspiel und Descent – Reise ins Dunkel auftauchen. Bei Runewars stimme ich voll und ganz zu 🙂

    • Mage Knight müsste halt auf die 2-Spieler-Liste 😉 Bei Descent ist das Problem, dass es bei mir zu selten auf den Tisch kommt. Ich habe noch die erste, die dann doch etwas länger dauert. Ist aber nach wie vor ein super Spiel.

      • Mage Knight 2 Spieler? Wir spielen meistens zu dritt oder zu viert (Ich meine das Brettspiel von Pegasus, nicht das Miniaturenspiel). Ich mag Descent sehr gerne, aber was uns dann doch oft für Mage Knight entscheiden lässt, sind die langen Umbauzeiten nach jedem Abenteuer bei Descent. Das unterbricht leider jedes Mal die Spielatmosphäre.

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