Die Wirtschaftsmacht von nebenan – Die Baumeister

Am Freiburger Münster wurde 300 Jahre gebaut. Spieler schaffen das im Optimalfall in einer Runde. Foto von Oberth CC BY-SA 3.0

Endlich mal ganz was Neues! Wir Spieler errichten alles, was man im Mittelalter so braucht: Bauernhäuser, Brücken, Straßen. So Zeug halt, das wir heutzutage als gegeben hinnehmen. Punkteträchtig sind freilich Kirchen, Paläste und Kathedralen. So Zeug halt, das 500 Jahre später Touristen anlockt. Oder US-Autoren zu hanebüchenen Mittelalter-Bestsellern inspiriert. Lange hing uns das Mittelalter als Spielthema zum Halse raus, doch die mittlerweile überhandnehmende Zombieapokalypse sorgt dafür, dass man sich direkt gerne mal wieder Altbekanntem zuwendet. Die Ritterklamotten lassen wir allerdings im Kleiderschrank, bzw. in der Rüstkammer. Bei „Die Baumeister“ schlüpfen wir in die Rolle der stinknormalen, werktätigen Bevölkerung. Oder zumindest engagieren wir diese. Wir selbst sind natürlich die titelgebenden Baumeister, die Lehrlinge, Handlanger, Gesellen und Meister anheuern, um ihre Bauvorhaben in die Tat umzusetzen. Wäre ja noch schöner! Selbst die Hände schmutzig machen! Der Spieler ist doch regelmäßig wahlweise Thronanwärter, wenn nicht eh schon König, Stammeshäuptling oder doch zumindest Weltenretter in schimmernder Rüstung oder strahlend weißem Arztkittel. Also setzen wir uns mal an den Schreibtisch und planen das Ganze schön durch: Spielziel Indem die angeheuerten Arbeiter zur Arbeit geschickt werden, errichten die Spieler mehr und mehr Gebäude, die ebenso wie das gehortete Geld (Wechselkurs 10:1) Siegpunkte wert sind. Wer als erster siebzehn Punkte erreicht (ja, ehrlich 17, nicht 15, nicht 20, man wollte wohl innovativ sein), läutet das Spielende ein. Nach Abschluss der Runde wird der königliche Baumeister ermittelt, was derjenige Spieler mit den meisten Punkten ist. Spielablauf Nachdem jeder Mitspieler sein Startkapital von 10 Münzen sowie einem Lehrling erhalten hat, beginnt der zufällig ermittelte Startspieler. Wie froh man mittlerweile ist, wenn es nicht heißt „Startspieler ist, wer zuletzt XY getan hat“, in diesem Fall wahrscheinlich „Die Säulen der Erde“ gelesen! Das verdient eigentlich einen eigenen kleinen Aufsatz. Aber genug der Ablenkung, was darf der aktive Spieler denn nun so treiben? Zur Verfügung stehen Runde für Runde drei Aktionen (weitere sind für je 5 Münzen zukaufbar), die mehr oder weniger beliebig auf die folgenden vier Optionen verteilt werden können:

  • Gebäude beginnen Der Spieler nimmt sich eines der Gebäude aus der fünf Karten starken Auslage und füllt diese vom offenen Nachziehstapel auf. Da das jeweils nächste Nachfüllgebäude allen bekannt ist, kommt es nicht selten vor, dass man Murks nimmt, damit man vor den anderen an begehrte Schmuckstücke kommt. Die Gebäude werden offen vor dem Spieler abgelegt und dienen fortan als Baustellen für den Personaleinsatz. Es existiert keine Begrenzung der offenen Baustellen. Zur Fertigstellung bedarf es einer je nach Ertrag schwankenden Menge an Baustoffen, die rechts auf der Karte aufgedruckt sind.
  • Arbeiter anwerben Ebenso wie die Baustellen liegt das zu ihrer Fertigstellung benötigte Personal in einer offenen Auslage von 5 Karten. Bei der Anwerbung darf man sich pro Aktion auch hier jeweils eine Karte sichern. Kosten fallen auch hier nicht an, im Mittelalter gibt es keine Festangestellten. Die Kerle (Frauen sind nicht unter ihnen) werden nur bezahlt, wenn sie schuften. Ebenso wie die Gebäude werden die Arbeiter offen vor den Spielern ausgelegt, damit sich jeder jederzeit informieren kann, wer was zu leisten vermag.
  • Münzen nehmen Statt etwas zur Stadtverschönerung beizutragen kann man sich für 1/2/3 Aktionen 1/3/6 Münzen nehmen. Das ist zwar eher eine Notlösung für den Pleitefall, kann sich aber gerade zum Spielende hin noch einmal lohnen, da 10 Münzen wie erwähnt (erst bei Spielende) je einen Siegpunkt wert sind.
  • Arbeiter zur Arbeit schicken Jetzt aber endlich in die Hände gespuckt, es wird was geschafft! Wer Arbeiter zur Arbeit schickt, muss ihn bezahlen (und somit Münzen entsprechend dem aufgedruckten Wert in den allgemeinen Vorrat zurückführen). Sodann wird die Arbeiterkarte von rechts an einen der Bauplätze gelegt. Somit lässt sich leicht ablesen, was zur Fertigstellung des Gebäudes an Material noch vonnöten ist. Denn praktischerweise bringt jeder Arbeiter das von ihm verbaute Material gleich mit. Die Arbeiter bleiben bis zur Fertigstellung auf der Baustelle. Auch diese Aktion ist mehrfach ausführbar, allerdings kostet jeder weitere Arbeiter an derselben Baustelle zusätzliche Aktionen. Zwei Arbeiter im selben Zug am selben Ort einzusetzen kostet 3 Aktionen, vier Arbeiter 6, fünf Arbeiter 10 Aktionen und so weiter. 10 Aktionen? Wird hierdurch ein Gebäude fertiggestellt, schüttet es seinen monetären Gewinn sofort und einmalig aus, die Siegpunkte gelten ab sofort dauerhaft. So genannte Maschinen punkten zwar auch, bringen aber kein Geld. Sie werden im Rest des Spiels wie Arbeiter genutzt, müssen im Gegensatz zu diesen aber nicht entlohnt werden.

Das war dann auch schon alles. Sobald ein Spieler Gebäude (und Maschinen) im Wert von 17 Siegpunkten errichtet hat, wird lediglich die Runde zu Ende gespielt und anschließend abgerechnet.

Baumeister: Mittelalter

Vorzügliches Ressourcenmanagement auf den Karten. Rechts am Gebäude das Geforderte, links an den Arbeitern das bisher eingesetzte Material.

Fazit Eines vorweg: „Die Baumeister“ weiß zu gefallen. Für eine halbe Stunde darf man sich Gedanken darüber machen, wie man das persönliche Arbeiterdeck optimiert, sich ärgern, wenn die für die eigenen Arbeiter besten Gebäude direkt vor der Nase weggeschnappt werden und ansonsten friedlich vor sich hinwerkeln. Nach anfänglicher Begeisterung hat sich für mich der Wiederspielreiz allerdings etwas nach unten korrigiert. Das Material ist schön gestaltet, die doppelseitig bedruckten Gebäudekarten harren als Baustelle ihrer Fertigstellung, wonach sie umgedreht in voller Pracht vor uns liegen. Die Arbeiter sind trotz hoher Varianz in der grafischen Gestaltung auf einen Blick als Lehrling, Handlanger, Gesell oder Meister erkennbar.Von redaktioneller Seite aus ist dieses Spiel klasse. Was mir ein wenig fehlt, ist die Spieltiefe. Ich hätte es gerne gesehen, wenn bestimmte Sets aus Gebäuden oder Arbeitern sich mehr lohnten als andere. So wie es ist, schnappt sich jeder meist jeden Meister, der aufgedeckt wird, auch Gesellen stehen nahezu konkurrenzlos hoch im Kurs. Da wäre meiner Meinung nach mehr drin gewesen. Vielleicht sehen wir das dann ja in „Die Baumeister – das alte Rom“ oder ähnlichen Publikationen. Denn dass das Spiel eigentlich „Die Baumeister – Mittelalter“ heißt, lässt wohl den Schluß zu, dass wir – gute Verkaufszahlen vorausgesetzt – mehr sehen werden. Bis dahin: Weiterspielen!
Die Baumeister –  Mittelalter
Spieler: 2-4
Dauer: ca. 30 Minuten
Autor: Frédéric Henry
Grafik: Sabrina Miramon
Verlag: Bombyx/Asmodee

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