Lange vor der Schuldenkrise – Cyclades

Cyclades SpielplanIm mythologisch-antiken Griechenland hat mans nicht leicht: Da liegen all diese saftigen fruchtbaren Inseln, aber kann man sie besiedeln? Nicht, wenn die Götter nicht wollen. Und als würde das nicht reichen, konkurrieren auch noch alle um deren Gunst wie Kinder, die nicht genug Aufmerksamkeit bekommen! Ach ja, außerdem tummeln sich auch noch Riesen, Zyklopen, Harpyen und allerlei anderes unangenehmes Gezücht auf den Kykladen.

Spielziel:
Als antike griechische Stadtstaaten versuchen die Spieler die Gunst der Götter zu nutzen, um die Kontrolle über mindestens zwei Metropolen auf den Kykladen zu übernehmen. Diese lassen sich entweder ganz friedlich errichten oder aber mittels Invasion dem Vorbesitzer entreißen.

Spielablauf:
Cyclades wird über mehrere Runden gespielt, die sich in jeweils drei Phasen unterteilen: Einkommensphase, Opferphase und schließlich die Aktionsphase.

  1. Einkommensphase:
    Diese Phase dient der notwendigen Verwaltung des Spielmaterials. Alle Spieler erhalten ihr Einkommen gemäß der von ihnen kontrollierten Wohlstandssymbole, die Kreaturenauslage wird aktulisiert und (vor Allem)werden die Göttertafeln neu gemischt und ausgelegt. Im letzten Schritt gibt es je nach Spielerzahl Anpassungen, wobei im folgenden von Vollebesetzung (sprich: 5 Spielern) ausgegangen wird.
  2. Opferphase:
    Hier handelt es sich letzten Endes um das Herzstück des Spiels, wie jeder bestätigen wird, der zumindest schon zwei Partien erlebt hat. Vergessen wir für einen kurzen Moment den prachtvollen Hauptspielplan und all die schönen Armee-, Monster- und Flottenpüppchen. Cyclades ist der Hauptsache nach ein Auktionsspiel. In jeder Einkommensphase werden die Göttertafeln (die für die verschiedenen Aktionen stehen) neu  gemischt und sobald es ans Opfern geht, versuchen die Spieler die Gunst ihrer jeweils in der aktuellen Runde attraktivsten Gottheit zu erringen. Dies geschieht in umgekehrter Spielreihenfolge der Vorrunde (in Runde eins wird im Grundspiel ausgelost). Ist ein Spieler an der Reihe, kann er eine selbst gewählte Anzahl Goldstücke benennen, die er für die Gunst des gewählten Gottes auszugeben bereit ist. Reihum geben so alle ihre Gebote ab, bis alle zufrieden sind. Das Problem dabei: Es gibt immer einen Gott weniger, als Spieler teilnehmen. Als Trostpreis steht Apollon zur Verfügung, der sogar mehreren Betenden sein Gehör schenkt, wobei der erste deutlich besser abschneidet als jeder potenzielle Nachfolger. Zeus, Ares, Poseidon und Athene gewähren jeweils nur einem Spieler – dem Höchstbietenden – ihre Gunst. Wird das Gebot eines Spielers von einem Nachsitzenden überboten, so muss dieser auf eine andere Gottheit ausweichen. Außer bei Apollon kann das dazu führen, dass ein anderer Spieler überboten wird. Dies geht so lange, bis alle Götter außer Apollon nicht mehr als einen Günstling haben.
  3. Aktionen:
    Beginnend mit dem Spieler, der die Auktion um den momentan zuoberst ausliegenden Gott gewonnen hat, werden (Reihenfolge: von oben nach unten) die göttlich gewährten Aktionen durchgeführt und evtl. Gebäude errichtet, bis hin zu Apollon, der zwar keine Aktion bereit hält, als Trostpreis aber immerhin das Vermögen und/oder Rundeneinkommen erhöht. Kommt ein Spieler an die Reihe, kann er zudem eine oder mehrere der bis zu drei offen ausliegenden Kreaturen herbeirufen, was üblicherweise einen sofortigen Bonus erbringt. Die Götter/Aktionen sind im Einzelnen:Gott-Zeus
  • Zeus – Priester anwerben:
    Wer des obersten olympischen Gottes‚ Gunst erringt, erhält kostenlos eine Priesterkarte. Jede Priesterkarte reduziert die Kosten der der Opfer um ein Goldstück. Ein (und nur ein) weiterer Priester darf für 4 Goldstücke angeworben werden. Für ein Goldstück darf zudem eine beiebige sagenhafte Kreatur in der Auslage abgeworfen und durch die nächste vom Nachziehstapel ersetzt werden.
    Gebäude: Tempel – Jeder kontrollierte Tempel reduziert die Kosten für das Herbeirufen einer sagenhaften Kreatur um ein Goldstück.Gott-Athene
  • Athena – Philosophen anwerben:
    Athena schenkt dem Spieler eine Philosophenkarte, derer vier zum sofortigen Bau einer Metropole berechtigen. Ein (und nur ein) weiterer Philosoph darf für 4 Goldstücke angeworben werden.
    Gebäude: Universität: Da die Autoren / die Redaktion Humor hatten, kann die Uni gar nichts, wird aber zum Bau einer Metropole benötigt.Gott-Poseidon
  • Poseidon – Schiffe anwerben/bewegen:
    Da der Spieler, ist auch Poseidon wohlgesonnen und schenkt ein Schiff. Bis zu drei weitere dürfen käuflich erworben werden. Obendrein erlaubt Poseidons Gunst es eine Flotte (beliebig viele Schiffe, die auf dem selben Feld stehen) um bis zu drei Felder zu bewegen. Dabei dürfen Schiffe jederzeit zurückgelassen werden, was nötig ist, um Inseln zu erobern (siehe Ares). Werden Schiffe auf von Gegnern besetzte Seefelder gezogen, endet die Bewegung sofort und es kommt zum Kampf.
    Gebäude: Hafen – Der Besitzer erhält bei Seekämpfen auf zu dieser Insel benachbarten Feldern einen Verteidigungsbonus.Gott-Ares
  • Ares – Soldaten anwerben/bewegen:
    Der Gott des Krieges schenkt seinem Günstling eine Armee, wobei wie bei Poseidon bis zu drei weitere gegen klingende Münze angeworben werden dürfen. So wie jener die Schiffsbewegung erlaubt, gestattet die Gunst Ares‘ es, eine Armee von einer Insel zu einer anderen Insel zu bewegen, um das Ziel mit militärischen Mitteln einzunehmen. Allerdings sind die Krieger einfache Menschen und daher auf den Flottentransport angewiesen. Bewegungen können nur zwischen zwei Inseln stattfinden, die durch eine ununterbrochene Kette eigener Schiffe verbunden sind. Invasionen bedürfen daher mehrer Runden Vorbereitung. Sollte das Ziel durch gegnerische Armeen gehalten werden, kommt es zum Kampf um die Insel.
    Gebäude: Festung – Auf Inseln, die Festungen enthalten erhält der Verteidiger im Kriegsfalle einen Verteidigungsbonus.Gott-Apollon
  • Apollon – Wohlstand mehren:
    Der Zeussohn Apollon gewährt seinen Günstlingen ein Goldstück (vier, wenn dieser nur eine Insel besitzt). Obendrein erhält der erste Spieler der Apollon gewählt hat, einen Wohlstandsmarker, den er auf eine seiner Inseln legt und somit dauerhaft das Einkommen dieser Insel steigert – auch dann, wenn der Besitzer wechseln sollte. Apollon ist der einzige Gott, der seine Gunst an mehrere Spieler pro Runde vergibt, allerdings bringt er drei nicht zu unterschätzende Nachteile mit: Erstens kann mit Apollon kein Gebäude errichtet werden, zweitens sind seine Günstlinge zuletzt an der Reihe, drittens, und dürfen mit ihm keine sagenhaften Kreaturen herbeigerufen werden.

Kämpfe laufen zu Lande wie zur See auf die gleiche Weise ab: Beide Spieler werfen einen Würfel (Werte 0-3) und addieren die Anzahl ihrer Armeen/Flotten. Der Verteidiger addiert dazu eventuelle Boni durch Festungen oder Häfen. Der Spieler mit dem niedrigeren Ergebnis verliert eine seiner Armeen/Flotten. Diese Prozedur wird wiederholt, bis es nur noch einen Überlebenden gibt. Nach jeder Kampfrunde erhält erst der Verteidiger, dann der Angreifer die Möglichkeit sich zurückzuziehen und die Insel oder das Seefeld ohne weitere Kampfhandlungen zu räumen.
Die sagenhaften Kreaturen, von denen in jeder Runde maximal drei zur Verfügung stehen, gewähren eine Breite Auswahl an Boni, sei es, dass der Spieler sein Rundeneinkommen ein zweites mal erhält, einen Gegner bestehlen darf, mit dem Riesen Gebäude einstampft oder mittels Pegasus eine Armee unabhängig von Schiffsverbindung und der Gunst Ares‘ bewegen darf (antike Fallschirmspringer, anyone?) Zudem gibt es unter den 17 Kreaturen fünf namhafte mit eigener Miniatur, über die der Besitzer die Kontrolle für eine ganze Runde hält: Kraken, Minotauros, Cheiron, Medusa und Polyphem.

Spielende:
Das Spiel endet am Ende der Runde, in der mindestens ein Spieler zwei Metropolen besitzt. Dieser Spieler ist der Sieger. Als Tiebreaker wird das angesammelte Gold genutzt. An Metropolen (die zudem die Vorteile aller Gebäude in sich vereint) kommt man auf dreierlei Arten:

  1.  Kontrolliert ein Spieler alle vier unterschiedlichen Gebäude (auch auf verschiedenen Inseln), werden sie sofort entfernt und es wird eine Metropole auf einen von diesem Spieler kontrollierten Metropolenbauplatz gelegt.
  2.  Verfügt ein Spieler zu einem gegebenen Zeitpunkt über vier Philosophen, muss er sie abgeben und erhält dafür eine Metropole, die er auf einen seiner freien Metropolenbauplätze legt.
  3. Wofür gibt es wohl Armeen?Cyclades-Armee

Fazit:

Nutzt die Links! Die griechische Mythologie ist großartig und spannend. Außerdem tut Bildung gut. Das musste sein, auch wenn es nichts mit dem Spiel zu tun hat.
Cyclades fiel mir vor einigen Jahren im Regal meines Spielefachhändlers ins Auge und sprach mich wegen des Themas und der ausgezeichneten Aufmachung sofort an. Mit Hilfe der Götter dürfen sich die Spieler um Metropolen auf den Ägäisinseln prügeln? Noch dazu mit jeder Menge schöner Püppchen in eigenen Designs für jede Spielerfarbe? Bin ich dabei, wo kann ich bezahlen? Umso erstaunter war ich, als ich in der ersten Partie merkte, dass ich doch kein Kriegsspiel gekauft hatte. Das Erstaunen schlug allerdings keineswegs in Enttäuschung um. Auch wenn ich üblicherweise alles andere als ein Fan von Auktionsspielen bin, hat mir die Kombination von Auktion, Area Control und Notwendigkeit zur Planung sehr gut gefallen. Der eigentlich einfache Kniff, Invasionen nur nach vorheriger Flottenaufstellung zu ermöglichen, sorgt dafür, dass kein Spieler ‚einfach mal eben‘ beim Nachbarn vorbeischauen kann. Mindestens zwei Runden sind dafür nötig. Zudem hängt viel davon ab, welcher Gott an welcher Position zum liegen kommt. Brauche ich Ares, um meine zweite Metropole zu erobern, hilft das nichts, wenn mein Gegner vor mir an die Reihe kommt und Polyphem kauft, um meine Schiffe zu verschieben. Außerdem werden die anderen schon nicht tatenlos zusehen. Das zusammen sorgt für ein sehr spannendes Spielgefühl in einem überraschend destruktiven Spiel, das sich relativ langsam aufbaut, bis kurz vor Ende üblicherweise mindestens drei von fünf Spielern kurz vor dem Sieg stehen und sich letztlich in einem klassischen Mexican Standoff gegenüberstehen, bevor es mit einem großen Knall zu Ende geht. Der kann auch darin bestehen, dass Spieler vier, von dem alle dachten, er habe längst verloren, über eine geschickte Kombination von Götteraktion und Kreaturen an drei Philosophen herankommt und darüber plötzlich ebenfalls eine Metropole kontrolliert. In der nächsten Runde schon kann er doch gewonnen haben.
Zusammengefasst: Großartiges Spiel.

Cyclades
Spieler: 2-5
Dauer: 90-120 Minuten
Autoren: Bruno Cathala, Ludovic Maublanc
Grafik: Miguel Coimbra
Verlag:Matagot / Pegasus

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