„Tief in der Sahara, auf einem Dromedara…“ – Targi

Targi_FeaturedUm es gleich vorweg zu sagen: „Targi“ ist schlicht und ergreifend nur der männliche Singular des Begriffs „Tuareg“. Die weibliche Form lautet „Targia“. Hoffentlich mus ich diese Unterhaltung jetzt nie wieder beim Spielen führen. Im übrigen sehen die Männer mit ihren verschleierten Gesichtern und auf Kamelen reitend zwar cool aus, aber im Großen und Ganzen haben bei den Tuareg die Frauen die Hosen an. Ist für das Spiel aber relativ irrelevant:

Spielziel:

In Targi von Andreas Steiger übernehmen die Spieler die Kontrolle über zwei konkurrierende Tuareg-Gesellschaften, die mittels geschickten Handels versuchen, den jeweils anderen in der prestigeträchtigen Vergrößerung und Verschönerung des eigenen Stammesgebiets zu übertreffen. Das ganze läuft familienfreundlich konfliktfrei ab, es muss also niemand dem Anderen direkt auf die Mütze geben. Dass das Spiel es dennoch auf die Nominierungsliste zum „Kennerspiel des Jahres“ brachte, liegt allerdings mEn unter anderem daran, dass es auch ohne Gewaltanwendung für die Kosmos 2-Spieler-Reihe ungewöhnlich aggressiv daherkommt.

Spielablauf:

Nachdem der aus Karten besehende Spielpan aufgebaut wurde, setzen die beiden Kontrahenten abwechselnd ihre Stammesmitglieder auf die Begrenzungskarten, die zugleich die möglichen Aktionen symbolisieren, bis alle sechs Steine (drei pro Spieler) eingesetzt wurden. Dabei gibt es lediglich zwei Regeln zu beachten: Die Spielsteine dürfen nur auf Aktionskarten eingesetzt werden, die

  • noch nicht besetzt sind (auch nicht vom Räuber).
  • nicht direkt gegenüber gegnerisch besetzten Karten liegen.

Nach dieser Einsetzphase werden an den (üblicherweise zwei) Kreuzungspunkten imaginärer, von den Stammesmitgliedern ausgehender, horizontaler und vertikaler Linien die sogenannten Stammesmarker eingesetzt, die somit nun einige der innerhalb der Spielfeldbegrenzung liegenden Waren- und Stammeskarten besetzen.

Beginnend mit dem Startspieler (der von Runde zu Runde wechselt), führen die Spieler nun ihren jeweiligen kompletten Zug durch, der in den meisten Fällen aus drei Aktionen (Stammesmitglieder auf Randkarten) und dem Erhalt der zwei besetzten Waren- und/oder Stammeskarten besteht. Warenerhalt – sei es durch Warenkarten oder Aktionen – wird durch entsprechende Marker festgehalten. Die Stammeskarten widerum werden entweder nach Bezahlung der aufgedruckten Kosten durch entsprechend viele Warenmarker direkt in die eigene Auslage gelegt oder auf der Hand behalten (Kartenlimit: 1!), um später über die Aktionskarte „Adeliger“ von der Hand gespielt werden. Durch aufgenommene Karten entstandene Lücken in der Auslage werden daraufhin mit Karten des jeweils anderen Typs aufgefüllt.

Das wiederholt sich mit wechselndem Startspieler so lange, bis entweder ein Spieler die maximale Stammesauslage von drei mal vier Stammeskarten errichtet hat oder 12 Runden gespielt wurden. Von Runde zu Runde ist es den Spielern dabei nur erlaubt, eine bestimmte Anzahl Waren zu behalten, was gewisse Maximalstrategien verhindert und dafür sorgt, dass die Spieler beim Ausbau einigen Dilemmata (siehe Endabrechnung) ausgesetzt sind. Nach jeweils drei Runden kommt es obendrein zu einem Raubüberfall, bei dem weitere Waren oder Siegpunkte an die ortsansässige Wüstenmafia abzugeben  sind.Targi_Spielfeld-1

Endabrechnung:

Nachdem auf die eine oder andere Art das Spiel beendet wurde, zählen beide Spieler ihre jeweiligen Siegpunkte zusammen. Die stammen dabei aus unterschiedlichen Quellen:

  1. Im Spiel gesammelte oder mit dem „Silberschmied“ produzierte Punktmarker,
  2. Die auf den Stammeskarten aufgedruckten Punkte,
  3. Boni durch Fähigkeiten von Stammeskarten,
  4. Boni für komplette (vier Karten) Reihen mit vier unterschiedlichen Symbolen,
  5. Boni für komplette (vier Karten) Reihen mit vier gleichen Symbolen.

Der Spieler mit der höheren Gesamtsumme ist nach einer guten Stunde Sieger der Partie.

Insbesondere die letzten beiden Punkte sorgen zusammen mit der extrem limitierten Kartenhand dafür, dass vor der Entscheidung, eine Karte aufzunehemn, die man nicht direkt bezahlen kann, die Kartenfähigkeit, ihre Kosten und ihr Symbol gegeneinander abgewogen werden müssen, was indirekt massiven Einfluß auf die Aktionswahl der Spieler hat. Immerhin geht es bei diesen Boni im Optimalfall um 12 der für den Sieg meist ausreichenden 28 bis 32 Punkte.

Fazit:

Nach einigen Partien Targi wird jeder Spieler feststellen, was für ein interaktives und aggressives Schwergewicht in der kleinen Schachtel schlummert. Letztlich muss der aktive Spieler beim Einsetzen seiner Stammesmitglieder zwar auch eine für ihn möglichst vorteilhafte Aktion im Auge haben, vor allem geht es aber einerseits um die durch den Personaleinsatz ermöglichten Stammesausbauten, vordergründig allerdings haupsächlich darum, dem Gegenspieler ebendiese vorzuenthalten. Sieger ist üblicherweise derjenige, dem es über den geschickten Personaleinsatz gelingt, dem Anderen optimale Züge zu vermasseln. Die eigene Strategie muss dabei selbstredend permanent angepasst werden. Das macht Targi für mich zu einem der besten Zweipersonenspiele aus Kosmos‘ Reihe. Allerdings muss das nicht jedem gefallen, insbesondere werden Spieler enttäuscht sein, die aufgrund der gewohnten Qualität der üblicherweise leichteren Zweierspiele dieses Verlags nach der Schachtel gegriffen haben. Targi ist zwar ein würdiger Nachfolger des alten „Siedler“-Kartenspiels (nicht zu verwechseln mit der missglückten Neuauflage „Die Fürsten von Catan“), fällt aber aus der Reihe, da diese mit Spielen wie „Halali“, „Rosenkönig“ und „Lost Cities“ bei vielen Kennern eher für leichtere Kost steht. Der neueste Streich „Jäger & Späher“ scheint allerdings darauf hinzuweisen, dass der Verlag einerseits entschieden hat, die Reihe weiter zu pflegen, andererseits im Zweispielersegment momentan mehr in Richtung Kennerspiel vorzudringen.

Targi
Spieler: 2
Dauer: ca. 60 Minuten
Autor: Andreas Steiger
Verlag:KOSMOS

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2 Kommentare

  1. Danke, nudelsuppe, jetzt habe ich einen Ohrwurm, den ich wahrscheinlich den Rest des Tages nicht mehr loswerde…

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