Mieses Monster hat Hunger – Finstere Flure

Fabelhaft: Furchtlos forschtest du nach den 3 Fetischen aus dem finnischen Fjord, mittels flinker und facettenreicher Finten sie fortzuschaffen und damit zu Fürst Fieso nach Frankreich zu eilen um die faszinierende Fee und Freifrau Fabula zu freien. Doch Fieso scheint fremdenfeindlich, welch ein Fiasko! Du landest unter Freiheitsberaubung freudlos und frierend in einer fürchterlichen Festung mit finsteren Fluren. Nun musst du Fiesos Falle entkommen. Furunkulus, das Hofmonster (ein furchteinflößender Freak) wartet schon. Nun heißt es frisch, fromm, fröhlich, frei Furunkulus zu foppen und in dieFreiheit zu fliehen.
Soviel zum Pressetext zu Finstere Flure. Aller Alliterationen abhold werden wir allerdings angesichts angestrengter alphabetischer Ablenkungen Alles daran setzen seinen Spielwert sicher zu sezieren!

Drei Spieler versuchen zu entkommen.

Drei Spieler versuchen zu entkommen.

Wir müssen hier raus!
Jeder Spieler versucht, eine je nach Spielerzahl aus drei oder vier Personen bestehende Gruppe so genannter Fremder lebend aus Fürst Fiesos Kerker zu führen. Wem es zuerst gelingt, zwei Spielsteine zum rettenden Ausgang zu bringen, geht als Sieger aus diesem taktischen Rennspiel hervor.

Lauf, Forrest, Lauf!
Von Runde zu Runde bewegen die Spieler, beginnend beim Startspieler, reihum ihre Spielsteine, um so durch das Verlies zu laufen. Wer am Zug ist, versetzt einen in dieser Runde bisher noch nicht bewegten Stein maximal um die Anzahl Felder, die seiner auf der Oberseite aufgedruckten Zugweite entspricht und dreht ihn an der neuen Position um, wodurch erstens erkennbar ist, dass die Figur sich schon bewegt hat, sich zweitens aber auch eine andere Zugweite für die nächste Runde ergibt. Die Figuren haben, einem Würfel nicht unähnlich auf den beiden gegenüber liegenden Seiten insgesamt eine Zugweite von 7 Feldern, aufgeteilt in 1-6, 2-5 und 3-4. Eigene und gegnerische Spielsteine dürfen pasiert werden, jedoch kann pro Feld nur ein Spielstein zum Stehen kommen.
Sind alle Überlebenden bewegt worden, ist Furunkulus, des Fürsten Privatmonster am Zug. Dieses versucht, die Gefangenen zu vertilgen und so aus dem Spiel zu entfernen. Gesteuert wird der Unhold mittels eines Stapels an Bewegungskarten, die vorgeben, wie weit sich das Monster bewegt. Es folgt simplen Sichtlinienregeln, um zu entscheiden, in welche Richtung es läuft: Auf jedem Feld, das es betritt, schaut es sich nach links und rechts um und die Richtung, in der die nächste Spielerfigur steht, läuft es weiter. Trifft es auf einen Fremden, frisst es ihn und entfernt ihn somit aus dem Spiel. In der ersten Hälfte des Spiels (Monsterkartensapel ist noch nicht verbraucht), überlebt der Gute und darf im Folgezug neu eingesetzt werden. Ist der Monsterbewegungsstapel einmal durchgespielt, wird er neu gemischt und fortan werden gefressene Spielsteine gnadenlos aussortiert. Sobald es einem Spieler gelingt, den dem Eingang diagonal gegenüberliegenden Ausgang mit zwei Figuren zu passieren, endet die Partie und der glückliche Gewinner steht fest.

Jede Menge Blut!
Das bisher beschriebene wäre wohl selbst einem Spieler mit sehr geringen Ansprüchen etwas zu wenig. Daher befinden sich in der Grundversion neben Spielfiguren und Monster zwei weitere Dinge auf dem Spielplan: Steinblöcke, die die Sicht des Monsters versperren und durch Bewegungen sowohl der Spieler als auch des Monsters verschoben werden können und zwei gigantische Blutlachen, die es Spielfiguren erlauben, sich schneller zu bewegen, da sie widerlichen Rutschbahnen gleich genutzt werden können.
In einer Variante für Fortgeschrittene lassen sich die Steinblöcke durch allerlei Spezialmaterial ersetzen wie z.B. Kristallblöcke, die eigentlich genau so funktionieren, nur dass das Monster hindurchsehen kann oder spezielle Steine, die die Bewegungsrichtung der Kreatur umkehren.

Drei von unzähligen Möglichkeiten, aus diversen Stanzteilen Monster zu verfertigen.

Drei von unzähligen Möglichkeiten, aus diversen Stanzteilen Monster zu verfertigen.

Und was soll das Ganze?
Finstere Flure ist einerseits ein leichtherziges Rennspiel für Jedermann, dass andererseits – insbesondere in der „Profivariante“ – durchaus taktische Tiefe mitbringt. Durch die Ungewissheit, wie weit Furunkulus am Ende der Runde wohl laufen wird, kommt eine unberechenbare Komponente ins Spiel, die dem ansonsten natürlich sehr berechenbaren Geschehen die nötige Würze verleiht. Eigentlich beginnt jeder, auch gänzlich unerfahrene Spieler, recht bald damit, in erster Linie darauf zu achten, dass im Falle ungünstig weiter Monsterbewegungen garantiert ist, dass die Figuren anderer Spieler zuerst vertilgt werden. Das ist nämlich allemal besser, als sich einfach nur hinter einem Stein zu verbergen und zu hoffen, dass man überlebt. Gegen Ende des Spiels beginnen manche gar, ihre Figuren zu opfern, um den Unhold in Richtung Ausgang zu lotsen, sodass die kurz vor dem Sieg stehenden Spieler erneut um ihre führenden Figuren fürchten (!) müssen.
Trotz aller Gemeinheit gehört Finstere Flure in jedem Fall zu den leichteren Titeln Friedemann Frieses und ist wesentlich weniger kopflastig als die meisten seiner anderen Spiele. Bei uns landet es immer mal wieder als Absacker auf dem Tisch oder auch als Hauptattraktion an Abenden, an denen eher Gelegenheitsspieler zusammenkommen und das gesellige Miteinander wichtiger ist als das Spiel selbst. Zumal es bis zu 7 Spieler bespaßt, was außerhalb des Partyspielbereichs leider sehr selten vorkommt.
Durch den 2F-typischen Humor ist es definitiv ein Hingucker und für so manchen Bekannten hat es schon als Einstiegsdroge in unser Aller Hobby geführt. Seine ca. 20 Euronen ist dieses Leichtgewicht alle mal wert.

Finstere Flure
Spieler: 2 – 7
Dauer: 45 – 60 Minuten
Autor: Friedemann Friese
Verlag: 2F-Spiele

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