Seidenstraße war gestern – Auf nach Indien!

Redktion auf das absolut notwendige zeichnet Auf nach Indien! aus

Redktion auf das absolut notwendige zeichnet Auf nach Indien! aus

Per Pedes nach Indien, das konnte vor Marco Polo schon Alexander der Große. Nix neues also. Der Japaner Hisashi Hayashi widmet sich daher dem Metier Vasco da Gamas oder Heinrich des Seefahrers. Allerdings heißt er nicht Feld, Dorra oder Kramer, weshalb er sich der Thematik auf, nun ja, japanische Art annimmt. Japanische Spiele drängen ohnehin verstärkt auf den deutschen Markt und spätestens seit Kanais „Love Letter“ verbindet der europäische Kunde mit dem Label „japanisch“ vor allem eins: Maximale spielerische Ausbeute bei minimalem Materialaufwand.

Spielziel
In Auf nach Indien! streiten drei bis vier portugiesische Adelshäuser darum, durch die Unterstützung von Entdeckungsreisenden am meisten Prestige in den Geschichtsbüchern zu erlangen. Wer am Ende die meisten durch Geschichtsschreiber festgehaltenen Siegpunkte besitzt, geht als Sieger aus dem Rennen nach Indien hervor.

Alles beginnt in Lissabon
Zu Spielbeginn besutzt jeder Spieler sechs farbige Holzwürfel, derer drei als Wissenschaftler und einer als Schiffbauer (der die maximale Zugweite bestimmt) auf der privaten Verwaltungskarte abgelegt werden. Der fünfte lungert in Lissabon herum, quasi der Startkarte in einer Reihe von Küstenstadtkarten, von denen neun oder zwölf (3/4 Spieler) rechts von Lissabon in einer Reihe ausliegen. Die ersten drei sind offen, der Rest liegt zu Beginn verdeckt aus, schließlich soll es ja etwas zu entdecken geben. Der letzte Würfel kommt, abhängig von der Spielposition, auf eines der Geldfelder der Verwaltungskarte. Dieser Kubus verdient seinen Lebensunterhalt vorläufig als Bankier. Sieben weitere Würfel pro Spielerfarbe bilden einen gemeinsamen Vorrat, diese können – und sollten – später ins Spiel gebracht werden.

Ablauf
Auf nach Indien! gewährt den Spielern reihum jeweils zwei Aktionen, die aus einer Liste von sechs Möglichkeiten auszuwählen sind. Diese sind im Einzelnen:

  • 1 Geld bezahlen (den Bankier auf der Verwaltungskarte nach links verschieben), um 1 neuen Würfel aus dem Vorrat nach Lissabon versetzen. Sinkt das Geld dadurch auf „0“, wird der Bankier vorübergehend arbeitslos und wandert ebenfalls nach Lissabon.
  • Beliebig viele in Lissabon liegende Würfel dürfen um maximal so viele Karten nach rechts bewegt werden, wie die durch den Schiffbauer angezeigte Reichweite hergibt. Liegen schon Schiffe unter Karten, dürfen sie von dort weitersegeln. Im Anschluß dürfen Schiffe als Waren auf die Karten gelegt werden, was kostenlos erfolgt. Kommt ein Schiff unter einer unentdeckten Karte zu liegen, erhält der Segler einen Punkt und die Karte wird aufgedeckt.
  • Wer Handelsgüter verkauft, nimmt alle Würfel von den Warenfeldern und bekommt entsprechend einer Tabelle Geld und Punkte dafür. Wer mehr als die auf der Karte aufgedruckten fünf Münzen besitzt, muss einen weiteren Würfel als Bankier einsetzen. Für das Festhalten der Punkte braucht es ebenfalls welche, das sind dann Geschichtsschreiber. Auch hier benötigt man einen pro fünf.
  • Schiffe unter Karten dürfen unter Abgabe zweier Münzen als Gebäude auf die Karten gelegt werden. Die Gebäude dienen entweder als permanente Warenzufuhr (Märkte), Siegpunkte (Kirche) oder Ersatzlissabon für das lossegeln (Festung).
  • Gegen Geld lässt sich die Reichweite der Schiffe permanent erhöhen (maximal drei Karten weit).
  • Die zu Spielbeginn beiseite gelegten Wissenschaftler dürfen „Technologien“ erforschen, die Spielboni gewähren. So erlaubt die Architektur ihrem Erfinder zum Beispiel, im Anschluß an Schiffsbewegungen ein Gebäude zu errichten, ohne dafür eine Aktion opfern zu müssen.

Ich habe Indien gefunden!
Wer die letzte Küstenstadt aufdeckt oder der zweite ist, der den letzten Würfel aus dem Vorrat nach Lissabon schickt, läutet das Spielende ein. Danach sind alle anderen noch einmal dran und wer dann die meisten Punkte hat , ist der Sieger. Es ist übrigens Indien, nicht Amerika. Da soll sich ein gewißer Herr Christoph.K. aus Genua mal gewaltig verfahren haben…

Von Links nach rechts: Seide, Zucker, eine Kirche, 5 Schiffe, 3 Wissenschaftler und ein Bankier. Im Hintergrund ist ein Geschichtsschreiber zu sehen.

Von links nach rechts: Seide, Zucker, eine Kirche, 5 Schiffe, 3 Wissenschaftler und ein Bankier. Im Hintergrund ist ein Geschichtsschreiber zu sehen.

Fazit
Um es vorweg zu nehmen: Im Großen und Ganzen hat Auf nach Indien! mich begeistert. 24 Karten und 52 Holzwürfel sind alles, was ein Spiel braucht, um die selbe Spieltiefe zu erreichen wie so mancher größere Kollege. Stone Age oder Abyss bieten nicht unbedingt mehr Tiefgang als dieses Entdeckerspielchen. Genau das gleiche wäre durchaus mit Holzschiffchen, Spielplan und Pappmünzen für 20 Euro mehr vorstellbar. Dass man stattdessen ein Bauhauspiel (form follows function) daraus gemacht hat, war eine gute und innovative Idee. Durch die Reduktion auf das nötigste sind materialbedingte spielmechanische Dilemmata allererster Güte entstanden. Letzten Endes mangelt es permanent an Holzwürfeln und wer viele Waren verkauft, kann sich genötigt sehen, diese anschließend statt nach Lissabon, von wo aus sie erneut lossegeln könnten, direkt als Bankier oder weiteren Geschichtsschreiber einsetzen zu müssen. Das ist dem Spielsieg zwar förderlich, schränkt gleichzeitig aber die eigenen Optionen mächtig ein. Was bei Ruhm für Rom oder Imperial Settlers noch multifunktionale Karten waren, ist in den Händen des japanischen Designers auf 13 winzige Holzklötzchen zusammengeschrumpft ohne die ungeheure Anzahl möglicher Funktionen zu reduzieren. Ob man da jetzt eine Kulturkonstante eines Volkes sehen will, dass seine wenigen kleinen Inseln ziemlich dicht besiedelt hat und daher Raum sparen muss, darf jeder selbst entscheiden. Was man aber wohl objektiv vermerken darf, ist, dass Auf nach Indien! ein Glanzstück ist.
Dennoch, liebe Verlage: Produziert auch weiterhin große, schöne, aufwendig gestaltete Spiele. Immer nur die reduzierte japanische Variante zu spielen wäre dann doch zu schade.

Auf nach Indien!
Spieler: 3-4
Dauer: 20 -45 Minuten

Autor: Hisashi Hayashi
Verlag: AEG / Pegasus

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