Das große Rennen im Elfenland

„Mist, ich bin schon wieder so spät dran.“ denke ich für mich und leg noch einen Gang zu. In letzter Minute erreiche ich den Marktplatz von Elvenhold, unserer wunderschönen Hauptstadt, und versuche, völlig außer Atem, jedes Wort des Alan R. Moon mitzubekommen.
„Wie in jedem Jahr, machen sich auch nun wieder junge Elfen auf den Weg, die Städte unseres Landes zu besuchen. Wir haben in jeder Stadt für jeden von ihnen einen Ortsstein platziert. Derjenige, der nach vier Tagen die meisten Ortssteine gesammelt hat und mir präsentiert, wird in diesem Jahr in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Und nun macht euch auf den Weg! Nutzt die Drachen, Einhörner, Riesenschweine, Elfenräder, Trollwagen, magischen Wolken und Flöße, um der zu sein, der in den kommenden vier Tagen die meisten Orte bereist hat.“
Die ausgehändigte Karte Elfenlands zeigt mir ein gut ausgebautes Straßennetz, das durch hellgrüne Ebenen, dunkelgrüne Wälder, gelbe Wüsten und über graue Berge führt. Flüsse und Seen durchziehen das Land wie Adern.
Nicht alle Transportmittel sind in jedem Gelände gleich schnell und manche an bestimmten Orten gar nicht zu gebrauchen. Doch ich will es schaffen, dieses Jahr muss es klappen, dass ich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werde! Ich plane an diesem Tag meine Reiseroute und versuche, noch etwas zu schlafen um ausgeruht den Wettkampf beginnen zu können.

Gleich am Morgen des nächsten Tages soll es beginnen, das große Rennen. Ich schnappe mir die Transportmittel, die ich für den ersten Tag brauche und von Elvenhold aus mache ich mich auf den Weg nach Strykhaven, die erste Stadt meiner Reise. Um das Mare Magnum zu überqueren, bitte ich den Fähremann mich auf seinem Floß mitzunehmen. In Strykhaven angelangt, nehme ich den für mich dort platzierten Ortsstein, verstaue ihn sicher und mache mich schnell auf den Weg weiter in Richtung Virst. Schon nach kurzer Zeit ist kein Durchkommen mehr, die Berge sind zu hoch. Zeit, mein mitgenommenes Riesenschwein zu satteln, das mich sicher und schnell durch das Gebirge bringt. So geht es doch deutlich schneller als mit den anderen Transportmitteln. Mein Mitstreiter hat nicht ganz so viel Glück. Da seine Eltern keine Landwirte sind, hat er nur  einen deutlich langsameren Trollwagen dabei. Gut für mich. Durch den gewonnenen Vorsprung erhöhen sich meine Chancen, das Rennen zu gewinnen.
So setzte ich meine Reise fort und versuche, die mir zur Verfügung stehenden Helfer geschickt einzusetzen. Es gelingt mir gut, selbst die Drachen sind mir gewogen und bringen mich sicher zur Wüstenstadt Al’Baran und weiter nach Throtmanni. Von dort geht es mit zwei magischen Wolken über die Ebene.
Am letzten Tag, vollkommen erschöpft, doch das Ziel schon vor Augen, eile ich in Richtung Erg’Erén, der letzten Stadt meiner Route. Doch was ist das? Einer der anderen jungen Elfen hat mir ein Hindernis in den Weg gelegt. Der Baumstamm liegt mitten auf dem Weg. Nun benötige ich zwei Einhörner statt nur eins, um mein Ziel zu erreichen. Ich schau mich um, auf der Suche nach einem – doch vergebens. Das Spiel ist aus! Wieder habe ich es nicht geschafft. Traurig und enttäuscht mache ich mich auf den Weg nach Elvenhold zur Siegerehrung. Alle drehen sich nach mir um, als ich den Marktplatz betrete. Ich war bereit für den Spott und den Hohn der anderen. „Juhu!“ „Ja, du hast es geschafft!“
Was ist das? Meinen die mich? Verwirrt blicke ich auf und merke, dass sie tatsächlich mich meinen. Schon sitze ich auf den Schultern der anderen und lasse mich auf die Bühne bringen. Ich habe es tatsächlich geschafft. Die anderen jungen Elfen hatten noch weniger Glück mit ihren Transportmitteln und konnten wohl nicht ganz so gut planen, wie ich. Ich habe mich für würdig erwiesen ein vollwertiger Elf zu sein!

Elfenland Spielplan

Der malerische Blick aufs Mare Magnum.

Fazit
Meepelchen: Elfenland ist wohl wirklich etwas für ganz junge Elfen. Die Spannungskurve ist doch recht flach gehalten und für alle über 12 Jahren schnell langweilig. 1998 wurde es Spiel des Jahres. Hmm… was soll man dazu sagen. Damals waren wir alle noch jünger? Ich kann dem Spiel leider nicht all zu viel abgewinnen, auch wenn es ganz lustig war, es gespielt zu haben. Die Mechanismen und die Mischung zwischen Glück und Strategie funktionieren, die Grafik ist dem Spiel entsprechend gestaltet, das Holzmaterial ist hochwertig. Eigentlich stimmt alles soweit. Nur irgendwie habe ich nicht den richtigen Draht dazu gefunden. Viele finden die Grafik überragend, dass das Spiel für jung und alt geeignet wäre, da die Regeln leicht verständlich wären und man nicht grübeln müsste. Das finde ich nicht. Oftmals saß ich da und dachte: Was machst du jetzt mit deinen Reiseplättchen? Für mich steckt in dem Spiel zu viel Glück, um es als Strategiespiel zu bewerten und zu viel Grübelei, um es schnell runter zu spielen. Dann doch lieber Zug um Zug?

Nudelsuppe: Zug um Zug? Ja, bin ich auch eher dabei. Alan R. Moons‘ zweites „Spiel des Jahres“ ist, genauer und in Kenntnis von Elfenland betrachtet, nichts als eine Weiterentwicklung dieses Klassikers und somit klar das besserere Spiel. Elfenland ist gefällig, aber das Nachziehen und Ausspielen von farbigen Wegekarten ist in Zug um Zug einfach verfeinert. 1998 mag das noch durchgegangen sein, aber spätestens seit Erscheinen von Zug um Zug sehe ich keinen Grund, heute noch auf Elfenland zurückzugreifen.

Elfenland
Autor: Alan R. Moon
Grafik: Doris Matthäus
Spieler: 2 – 6
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Verlag: Amigo

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.