Per pedes durch Europa – Pantheon

Panthon Hans im Glück

Das Pantheon in Rom.

Pantheon (von altgriechisch πᾶν pān „alles“ und θεός theós „Gott“) ist der antike Name für ein allen Göttern geweihtes Heiligtum. Diese Vorstellung stammt aus dem Umfeld der sumerischen, griechischen und manichäischen Mythologie und wurde bald mit einem konkreten Ort bzw. Tempel verbunden. Das hat Wikipedia darüber zu sagen. Da der Artikel Pantheon (Spiel) zwar erstellt, aber noch leer ist, widmen wir uns dem jetzt hier.
Der Verlag Hans im Glück nimmt die obige Definition nicht allzu genau. Wozu auch, versteht der Volksmund unter dem Begriff Pantheon doch auch etwas anderes, nämlich die Gesamtheit der Götter einer gegebenen Mythologie. Autor Michael Tummelhofer (ein Pseudonym für Michael Bruinsma, Jay Tummelson and Bernd Brunnhofer) und sein Verlag gehen noch weiter und denken sich einfach eine eigene Götterwelt aus, die die verschiedenen Völker der europäischen Antike nun statt Zeus, Mars, Belenus, Wotan oder Thor anzubeten haben. Außerdem brauchen vernünftige Gottheiten natürlich prächtige Monumente, in denen ihre Verehrung angemessen stattfinden kann. Doch weil der Mensch auch nicht ganz unbegabt ist, was die Vernunft angeht, errichten wir Spieler in Pantheon bloß Säulen, weil, wie die Spielregel erklärt, auf lange Sicht ohnehin nicht mehr von prächtigen Tempelbauten erhalten bleiben würde. So viel zum Humor in diesem Spiel. Worum geht es nun genau?

Spielziel
In Pantheon geht es überraschenderweise darum, möglichst viele Siegpunkte zu ergattern, was in diesem Fall dadurch geschieht, dass sich die Spieler die Gunst diverser (Halb-)Götter sichern und diesen Säulen (statt Tempel – warum, das wissen wir bereits) errichten. Um das zu gewährleisten, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Ablauf
In jeder der sechs „Epochen“ genannten Runden entscheiden sich die Spieler reihum für eine von vier möglichen Aktionen und führen diese aus. Jede Epoche ist einem antiken europäischen Volk gewidmet, seien dies nun Gallier, Perser, Katharger, Römer oder Griechen. Da acht Völker im Spiel sind, unterscheiden sich die Abläufe zwischen zwei Partien immer wieder marginal. Das zu Rundenbeginn aufgedeckte Volk hat einen Einfluß auf das Spielgeschehen der Runde und/oder die Kartenhand der Spieler. Zudem definiert das Volk, in welchem Bereich des Spielplans das Spielgeschehen stattfinden wird. Nachdem das zu spielende Volk feststeht, werden (Spielerzahl + 1) Göttertafeln aufgedeckt sowie verdeckte Bonusplättchen in den Einflußbereich des Volkes gelegt und schon kann es losgehen. Die Aktionsmöglichkeiten sehen wie folgt aus:

  • Pantheon Brettspiel Boardgame

    Europa, Mittelmeer, Füße. Gelbe Füße, rote Füße. Es gibt auch grüne und blaue Füße.

    Nachziehen: Der Spieler zieht drei Karten aus der offenen Auslage und/oder vom verdeckten Nachziehstapel.

  • Einkaufen: Der Spieler kauft Opferplättchen für seine Götteropfer. Alternativ (oder auch zusätzlich) können Füße (ja, Füße!) und/oder Säulen der eigenen Spielerfarbe in die aktive Reserve gekauft werden. Wieviel Krempel gekauft werden kann hängt von der Anzahl an Geldkarten ab, die für den Einkauf ausgespielt werden.
  • Götterplättchen erwerben: Indem Opferkarten in von der zu erwerbenden Gottheit geforderten Anzahl und Vielzahl ausgespielt werden, kann der aktive Spieler sich eines der Götterplättchen nehmen und dessen sofortigen oder dauerhaften Bonus zunutze machen. Zuvor erstandene Opferplättchen fungieren hierbei als dauerhafter Rabatt.
  • Bewegen: Der aktive Spieler nimmt sich den großen Holzfuß (ja, Fuß!) und spielt zudem beliebig viele Fußkarten (ja, Füße!) aus, von denen jede ihm zusätzlich zum großen Holzfuß weitere eigene Holzfüße (ja, Füße. Aus Holz!) zur Verfügung stellt, um sich über das Brett zu bewegen. Dabei gilt es, einerseits die Bonusplättchen einzuheimsen, die Vorteile oder Halbgötter (=Punkte) bieten, andererseits Tempelfelder zu erreichen, an denen man Säulen (warum keine Tempel? Ach ja, deshalb) errichten kann, die wiederum Punkte einbringen. Je mehr, desto besser, in gewissen Grenzen. Nach dieser Aktion dürfen auch die anderen Spieler reihum Fußkarten (ja, Füße. Auf Karten!) ausspielen, um sich ebenfalls über das Feld zu bewegen.

Die Zugphase endet, nachdem entweder alle Götterplättchen erworben oder alle Bonusplättchen ergattert wurden. Das ganze wird dann fünfmal wiederholt und fertig ist das Spiel. Nach der dritten und sechsten Epoche wird jeweils eine Wertung durchgeführt, in der es Punkte für errichtete Säulen (gestaffelt nach einer Tabelle) und ergatterte Halbgötterplättchen gibt. Wer danach die meisten Punkte (ja, Punkte. Nicht Füße!) hat, geht als Sieger der Partie hervor.

Fazit
Fußfetischisten aufgepasst! Pantheon könnte Euer Spiel werden! Wer auf mythologischen, historischen oder strategischen Krempel steht, sollte sich eventuell nach anderen Spielen umsehen, gerne auch beim selben Verlag. Der hat ja nun mit Stone Age, Carcassonne, Brügge oder dem von vielen gehypten Russian Railroads schöne Optimierungsorgien verschiedenster Gewichtsklassen im Programm. Sind aber auch mit Ausnahme von Stone Age alle nicht vom Firmenchef, sondern von unabhängigen Autoren. Allerdings versprach auch Pantheon durch Aufmachung und Schachtelrückseitenwerbetext, ein einsteigerfreundliches aber dennoch taktisch anspruchsvolles Spielerlebnis für eine gute Stunde zu bieten. Beim Spielen blieben dann leider weder von Strategie noch von Taktik noch von der Thematik auch nur das Geringste übrig. Dröseln wir das ganze von hinten auf.
Thema: Ja, was eigentlich für ein Thema? Von antiker Götterwelt keine Spur, die selbst erdachten Götter bieten nur völlig abstrakte Spielvorteile, die man, da man die Götter nicht kennen kann, mit keinerlei göttlicher Eigenschaft in Verbindung bringt. Klar, Hermes würde mir zusätzliche Schritte erlauben, liegt ja nahe. Winthrad hingegen sagt mir nichts. Außerdem ist er so klar von Zeus inspiriert, dass ich ihn beim besten Willen nicht mit dem genannten Vorteil in Verbindung zu bringen vermag. Dass die Götter zudem unter dem allseits bekannten Symbol der Illuminaten zu finden sind, mag dem Verschwörungsnerd gefallen, aber es trägt nichts zum Spielgefühl bei, es stört eher. Von den Füßen will ich gar nicht reden! Soll das die Völkerwanderung allegorisch erfassen, oder was? Ich schlappe jetzt mit meinen roten ägyptischen Füßen durch Europa, okay. Dass die grünen und gelben im seben Moment das selbe Volk repräsentieren leuchtet wegen des Wettstreitcharakters auch nicht ein. Von verschiedenen Dynastien innerhalb der Völker aber nirgendwo ein Wort. A propos Völker: „Jedes Volk hat seine Eigenheiten und es liegt an den Spielern, diese bestmöglich zu nutzen.“ Das steht auf der Schachtel! Wir hatten uns darauf gefreut! Im Spiel haben die Völker nichts, aber auch gar nichts zu melden. Sie definieren nur, wo wir unsere Füße aufs Brett legen. Ihre „Eigenheiten“ hingegen sind so marginal, dass es kaum lohnt, in der Regel nachzuschlagen, was ihre jeweiligen Symbole bedeuten sollen. Auch die restliche Symbolsprache ist so vielfältig wie unverständlich. Es scheint sich niemand der an der Produktion beteiligten Menschen länger als fünf Minuten mit der Symbolsprache des Spiels auseinandergesetzt zu haben.

Pantheon Brettspiel Boardgame

Auch ein Pantheon. Aber in Paris werden Nationalhelden statt Göttern verehrt.

Taktik: Wenn wir Taktik mit Clausewitz als die „koordinierte Anwendung von Mitteln zur Erreichung eines gewollten Ziels unter Bewertung, Einbeziehung und Verwendung von vorgefundener Lage, vorhandenen Kräften, räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten“ definieren, kann man Pantheon durchaus als Taktikspiel bezeichnen. Runde für Runde kann man nichts anderes machen als auf die vorgefundene Lage zu reagieren. Jedoch kann man nichts geplant durchführen. Götter kaufen, Zeug kaufen, rumlaufen geht alles nur, wenn man zufällig die richtigen Karten zieht. Zwei Runden kein Geld gezogen? Pech gehabt, Du bist raus! Du brauchst vier gleiche Opfer für den Gott Deiner Wahl? Dann viel Glück beim Kartenziehen am Rundenbeginn, später wird Dir dazu keine Zeit mehr bleiben, weil der Typ, der zufällig Geld in der ersten Runde hatte ohnehin das passende Opferplättchen hat kaufen können. So schnell wie der den Göttern opfert, kannst Du gar nicht nachziehen. Ist aber auch nicht so wichtig, denn es gibt ja noch die
Strategie: Ne, gibt es doch nicht. Wenn man schon kurzfristig nichts planen kann, wie soll das dann über das ganze Spiel funktionieren? Es gibt zu Beginn des Spiels genau eine Entscheidung zu treffen: Füße oder Opfer spielen? Manche spielen Füße und versuchen nebenher ein paar Götterplättchen zu ergattern. Die haben verloren. Automatisch. Das lässt sich sogar ausrechnen. Die anderen hoffen dann auf das richtige Kartenglück für Opfer und Geld und die richtige Tischposition für die perfekten Götterkombinationen. Einfluß haben sie darauf jedenfalls nicht. Das Spielbret braucht man also nicht, was übrig bleibt, ist ein Kartenspiel, dass sich größtenteils selbst spielt. Und bevor jemand denkt, hier schreibt ein enttäuschter Verlierer: Hier schreibt derjenige, der zuletzt mit weitem Abstand gewonnen hat.

Und dieser Rekord wird wie die Tempelsäulen für die Ewigkeit bestehen, denn Pantheon kommt bei uns gewiß nicht mehr auf den Tisch.
Wer ein schnelles interaktives Aufbauspiel sucht, kann sich gerne mal Imperial Settlers anschauen, da ist wesentlich mehr Fleisch dran.

Pantheon
Spieler: 2-4
Dauer: 60-90 Minuten
Autor: Bernd Brunnhofer (Michael Tummelhofer)
Verlag: Hans im Glück

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