Weitere Eindrücke aus Essen 2015

Wir haben uns kürzlich noch einen Tag auf der Stuttgarter Spielemesse herumgetrieben, um einige Dinge zu testen, für die wir in Essen keine Zeit mehr hatten. So konnten wir uns – vor allem am Stand des Spielevereins Böblingen – noch die eine oder andere Neuheit zu Gemüte führen. Noch einmal vielen Dank an die Herren und Damen aus BB. Das wollen wir selbstverständlich mit Euch teilen. Die Bildqualität müsst ihr erneut entschuldigen, wir hatten wieder nur Mobiltelefone dabei. Wie schon im ersten Teil hier nun der Überblick in alphabetischer Reihenfolge:

Cacao:

Bei dem Legespiel Cacao geht es darum, den eigenen – wahrscheinlich irgendwie süd- oder mittelamerikanischen – Stamm von Dschungelbewohnern mittels Kakaoernte zum reichsten in der Gegend zu machen. Ursprünglich schon im Frühjahr in Nürnberg erschienen, gibt es mittlerweile jede Menge Onlinerezensionen zu diesem Titel. Die meisten recht positiv, wie zum Beispiel diese von unseren Kollegen vom Blog Brettspiele-Magazin. Das mussten wir uns natürlich ansehen, wir stehen ja durchaus auch leicht zugänglichen Spielen offen gegenüber. Jeder Spieler hat einen Satz von quadratischen Arbeiterplättchen, die es auf den Tisch zu legen gilt. Auf jeder der vier Seiten ist eine variable Anzahl von Arbeitern abgebildet, die, so sie in Kontakt mit Dschungelplättchen (Kakaobäume, Märkte, Brunnen, Tempel) zu liegen kommen, die entsprechende Aktion durchführen. Entsteht eine Lücke zwischen zwei diagonal aneinanderliegenden Arbeitern, wird dort sofort ein Dschungelplättchen platziert, was wiederum die benachbarten Arbeiter aktiviert. Kakao ernten, Kakao verkaufen, Wasser holen, um den Wasserträger wertvoller zu machen, das wars schon. Am Ende gewinnt der Spieler mit der meisten Kohle, die noch durch Tempelmehrheiten und den Wasserträger modifiziert wird.
Gewonnen hat derjenige von uns, der die Regel von La Granja las und nur auf Zuruf Plättchen abgelegt hat. Sagt eigentlich alles, oder? Uns hat es überhaupt nicht gefallen, auch nicht für Spieleneulinge. Denen kann man unserer Meinung nach mindestens zwanzig bessere Spiele empfehlen, die den selben Aufwand machen aber sehr viel mehr Spiel beinhalten.

Cacao Brettspiel

Danke, wir bleiben bei Kaffee und Bier. Schade. Wenigstens ist das Material hochwertig.

Elysium:

Ebenfalls in Nürnberg vorgestellt, ebenfalls von der Jury „Spiel des Jahres“ genauer angeschaut worden, in diesem Fall allerdings für den grauen „Kenner“pöppel. In Elysium wollen die Spieler göttliche Macht einsetzen, um, ja, was eigentlich? Keine Ahnung. So richtig steckt da keine Geschichte drin. Auf jefen Fall kauft man Karten, die einer von 8 verschiedenen göttlichen Domänen zugeordnet sind, um deren Fähigkeiten und Effekte zum eigenen Vorteil oder Schaden der lieben Mitspieler zu nutzen. In jeder Partie spielen nur 5 Götter mit, sodass für Abwechslung gesorgt ist. Ist ja der Trend, auf Spielschachteln zu schreiben, jede Partie sei anders unds mithin eigenartig. Ultimatives Ziel der Kartensammelei ist es, diese ins „Elysium“ übergehen zu lassen. Dass man diese lateinisierte Form des griechischen Elysion, der Insel der Seligen, gewählt hat, obwohl es sich bei den Göttern um Teile des olympischen Pantheons handelt, erschließt sich mir übrigens nicht im mindesten. Gerade bei den Space Cowboys hätte ich diese Schludrigkeit nicht erwartet. Sind die Karten im Elysion, funktionieren allerdings ihre Fähigkeiten nicht mehr, so dass der Zeitpunkt des Übergangs wohlgewählt sein will. Punkte bringen sie aber vor allem dort, denn in der Seligkeit formieren sie sich zu Rommé-Auslagen (gleiche Zahl, unterschiedliche Farbe oder gleiche Farbe, unterschiedliche Zahl), deren Länge über ihre Punkteträchtigkeit bestimmt. Interessant ist der Kaufmechanismus, bei dem man Runde für Runde einer seiner vier farbigen Säulen ausgeben muss, um die Karten zu erhalten, die widerum vorgeben, welche Säulen man dafür zuvor noch nicht ausgegeben haben darf, nicht aber, mit welche zu zahlen ist.
Im Großen und Ganzen funktioniert Elysium meiner Meinung nach, allerdings hatte ich mir mehr Abwechslung in den Karten gewünscht, damit man wirklich über Kombinationen grübeln kann, wie Evolution das beisüielsweise macht. Die acht Götterfamilien sind aber leider bis auf wenige Karten identisch. Fazit: Wenn es jemand auf den Tisch knallt, werde ich es wohl mitspielen, selber vorschlagen eher nicht. Vom Anspruch ähnlich, thematisch auch, meiner Meinung nach aber besser, weil mit mehr Spieltiefe ausgestattet: Deus.

Elysium Zeus Poseidon Hades

Die Herren dürfte jeder erfahrene Spieler kennen. Bildrechte liegen bei den SpaceCowboys.

Isle of Skye:

Schottland! Kriegt man mich thematisch mit, musste ich also ausprobieren. In Lookouts neuem Legespiel dreht sich alles darum, zum mächtigsten Clanführer auf der Insel zu werden. Optisch fühlt sich jeder sofort an Carcassonne erinnert, und ja, man will zusammenhängende Gebiete errichten, wie im Spiel des Jahres 2001, aber damit hat es sich auch schon mit den Ähnlichkeiten. Ebenso wie bei Elysium steht im mechanischen Mittelpunkt des Spiels ein interessanter Kaufmechanismus. Zu Beginn jeder der 6 Runden erhalten die Spieler Geld für alle Whiskeyfässer, die sie mittels Straßen mit ihrer eigenen Burg verbunden haben, um sodann drei Plättchen aus einem Sack zu ziehen, die hinter dem Sichtschirm versteckt werden. Daraufhin gilt es, sich für ein Plättchen zu entscheiden, welches man aus dem Spiel entfernen möchte und für  die anderen beiden Preise festzulegen, zu denen die Konkurrenz sie erwerben darf. Dies wird dann aufgedeckt und reihum bei den Mitspielern eingekauft, sofern man denn willens und in der Lage ist, die Preise zu zahlen. Denn dem Mitspieler steht dann für eigene Käufe einerseits der bezahlte Preis zur verfügung, sowie die Münzen, die er zur Preisfestsetzung genutzt hatte, zuzüglich etwaiger Rücklagen. Ist alles verbaut, gibt es Punkte, wobei sich die Kategorien hierfür von Runde zu Runde ändern. Man sollte also jederzeit im Blick haben, wann was punktet. Und was die Mitspieler so treiben, denn es gibt durchaus auch Mehrheitenwertungen sowie SOnderwertungen zum Spielende. Diese allerdings nur für die Spieler, die entsprechende Plättchen verbaut haben. Ständige Aufmerksamkeit zahlt sich aus. Wir hatten alle drei das Gefühl, dass sehr viel mehr Spieltiefe in diesem Legespiel schlummert, als man bei einer einzigen Partie erspielen kann. Ein Einsteigerfreundliches Spiel, dass aber nicht simpel daherkommt. Wusste zu gefallen.

Isle of Skye Spiel

So sieht das ganze dann im Spiel aus. Das Bild habe ich in Ermangelung eines eigenen Fotos aus der Rezension der Brettspielbox geklaut.

La Granja:

La Granja hatte ich oben bei Kakao ja schon kurz angesprochen. Die Testpartie fand quasi als Ausgleich direkt im Anschluss statt. Man könnte sagen, spielerisch ist das auch so ungefähr das Gegenteil. Das nimmt natürlich nicht wunder, ist der PD Verlag doch eher für schwere Kost wie Imperial oder Concordia bekannt. Und das ist auch die Liga, in der sich La Granja tummelt. Thematisch geht es darum, den eigenen Hof auszubauen, um die nahegelegene Kleinstadt mit Waren verschiedenster Art zu beliefern, denn das bringt Geld. Und Geld sind Siegpunkte. So einfach ist das manchmal. Jeder Spieler hat ein eigenes Hoftableau, dass sich mit multifunktionalen Karten (Ruhm für Rom nicht unähnlich) ausbauen lässt. Diese Karten können Lieferaufträge, Felder, Angestellte oder noch vielerlei mehr sein, je nachdem, an welcher Stelle sie unter das Tableau gesteckt werden. Runde für Runde ist es erlaubt, seinen Hof auf diese Art und Weise um eine Karte zu erweitern (oder mehr, wenn man entsprechende Karten zuvor „errichtet“ hat). Schnell noch ein Teil des Scheunendachs  aus der Auslage kaufen, um etwaige Sonderaktionen für später zu generieren und schon geht die Hauptphase des Spiels los. Jetzt werden verschiedene Felder bestellt, Schweine vermehren sich und so weiter. Agricola lässt grüßen. Die Aktionsphase besteht dann aus dem Werfen und Einsetzen von Würfeln, wobei verschiedene Augenzahlen verschiedene Aktionsmöglichkeiten bedeuten. Ein Schelm, wer da an Burgen von Burgund denkt. Jeder Spieler kommt reihum zwei mal an die Reihe, um jeweils einen Würfel zu verbrauchen und am Ende bleibt einer übrig, dessen Aktion alle Spieler nutzen können. In dieser Hauptphase kommt es sehr auf das Timing an, weil nicht nur die Belohnungen der Aktionen selbst sondern durch gewisse Wettlaufeffekte bei den Lieferungen ans Dorf auch der Zeitpunkt und die Sitzreihenfolge über den Wert einer Aktion entscheiden. Nach sechs Runden gewinnt der reichste Gutsherr.
La Granja hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Einerseits hat mich gestört, dass ich bei allem, was so passiert ist, sofort ein anderes Spiel im Kopf hatte (allerdings bedankt sich der Autor in der Regel für seine Inspirationsquellen, ich will hier also nicht auf plumpen Ideenklau hinaus). Zudem hatte ich oft das Gefühl, dass Zwischenschritte in Produktionsketten nur um einer vermeintlichen zusätzlichen Komplexität willen eingebaut wurden, also eher Bremsen im Spielfluß darstellen. Andererseits war diese erste Testpartie von sehr häufigem Regelnachschlagen geprägt, weil kein Erklärer zur Hand war. Es kann also sehr gut sein, dass La Granja am Ende doch rund läuft und wir selber schuld waren. Zumindest war es interessant genug, dass ich dem gerne nachspüren würde.

La Granja Spielaufbau

La Granja lässt schon optisch keinen Zweifel aufkommen, an wen es sich richtet.

Genug Text für eine Seite. Wer jetzt noch dabei ist, darf auf Seite Zwei weiterlesen.

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.