Es kann nur einen geben! – Isle of Skye

Isle_of_Skye_002Als Kind der Achtziger kommt man ja nicht umhin, an Highlander zu denken, wenn man den Namen McLeod vor die Nase gehalten bekommt. Entschuldigt daher den eher einfallslosen Titel. Zumal wir uns, sobald die Spielschachtel geöffnet ist, nicht in den schottischen Highlands, sondern auf der titelgebenden Insel wiederfinden. Aber wie Ihr wisst: Tauchen irgendwo Wikinger oder Schotten auf, muss die Suppe einen Blick riskieren. Und dieser Blick hat sich meines Erachtens nach mehr als gelohnt. Einzig, dass die Anzahl eigener Whiskyfässer das Einkommen definieren, ist ein thematisches Ärgernis, weiß man als Freund des goldenen Lebenswassers doch, dass auf der Isle of Skye gerade einmal eine einzige Brennerei steht. Der dort gebrannte Whisky kann sich dafür allerdings auch sehen lassen. Kann die Klasse des Spiels aber mit der Klasse des Tropfens mithalten?

Spielziel
Damit wären wir auch um die übliche „Ob-das-wohl-wie-Carcassonne-ist?“-Einleitung herumgekommen. Nice. Was ist denn nun das Ziel von Isle Skye? Thematisch stellt jeder Spieler das Oberhaupt eines um die Vorherrschaft über die nordwestlich des schottischen Festlands gelegene Insel streitenden Clans dar. Im Spielverlauf gilt es, die eigenen Ländereien um Neuerwerbungen zu erweitern, die optimalerweise schöner (punkteträchtiger) als die der Konkurrenz sind. Allerdings muss darauf geachtet werden, schon im Verlauf der üblicherweise sechs Runden zu punkten, da keine Endabrechnung stattfindet. Am Spielende kann allerdings ein prall gefülltes Geldsäckel das Zünglein an der Waage sein. Das ganze findet übrigens, um mit einem Schottenklischee aufzuräumen vollkommen friedfertig statt. Man streitet ja untereinander und nicht gegen daherglelaufene Engländer, nicht wahr?

Vorbereitung
Zu Beginn einer Partie Isle of Skye erhält jeder Spieler eine Axt (keine Sorge, bleibt wirklich friedlich) und einen Sichtschirm, hinter dem es selbige sowie im Spielverlauf eingenommenes Geld vor den Blicken der anderen zu verbergen gilt. Ländereien hat erst einmal niemand, abgesehen von der eigenen Burg. Wichtiger für den folgenden Spielverlauf ist allerdings der Aufbau des allgemeinen Spieltableus, das letztlich der Verwaltung und Regelerinnerung dient. Hier kommen vier der sechzehn (18 dank Brettspieladventskalender) in der Schachtel befindllichen Punktetafeln zu liegen, die maßgeblichen Einfluss darauf haben, welche Arten von Landschaftsplättchen im Spiel als wertvoll zu erachten sind. Und wann (dazu später mehr).

Isle of Skye Spiel Lookout

Ein Blick hinter den Sichtschirm (mit guter Kurzregel) kurz vor der Einkaufsphasephase.

Ablauf

Eine Partie Isle of Skye geht über sechs Runden, die sich in jeweils sechs Phasen gliedern. Der Startspieler wechselt dabei reihum. Die Phasen sehen im einzelnen wie folgt aus:

  1. Einkommen: Jeder Spieler erhält ein Grundeinkommen von vier Münzen zuzüglich einer Prämie von einer Münze pro Whiskeyfass, das über Straßen mit der eigenen Burg verbunden ist. Ab Runde drei gibt es noch spielpositionsabhängige Boni.
  2. Länderein aufdecken und Preise festetzen: Beginnend beim Startspieler erhalten alle jeweils drei Landschaftsplättchen, die vor dem eigenen Sichtschirm aufzureihen sind. Hinter dem Sichtschirm wird die Axt an eines gelegt, dass damit geheim als später aus dem Spiel zu entfernen markiert wird. Den beiden übrigen gilt es, Preise zuzuweisen, indem man Geld darauf ablegt. Diese Preise sind relevant für die folgende Shoppingphase. Bei dieser Phase handelt es sich letzten Endes um das spielerische Herzstück des Spiels. Wer hier Fehler macht, dürfte es in erfahrenen Runden schwer haben, um den Sieg mitzuspielen.
  3. Termine mit dem Makler: Jetzt geht es ans Einkaufen. Alle Spieler decken die zuvor festgesetzten Preise auf und beginnend mit dem Startspieler darf reihum genau ein Plättchen bei den Mitstreitern erworben werden. Hierzu übergibt man dem erwählten die geforderte Summe, der sie zusammen mit dem zur Preisgestaltung ausgelegten Geld hinter seinem Schirm platziert und erhält dafür das ersehnte Landschaftsplättchen.  Haben alle eingekauft oder gepasst, werden noch übriggebliebene Preisforderungen in die Bank gelegt und die nicht gekauften Plättchen verbleiben bei ihren jeweiligen Besitzern zwecks folgendem Anbau:
  4. Anbauen: Nun gilt es, die pro Spieler 0-3 neuen Plättchen in das eigene Clangebiet zu integrieren. Quasi zum Carcassonne-Moment. Die Plättchen müssen so in die eigene Auslage integriert werden, dass gleiche Landschaften stets aneinandergrenzen, wobei Straßen durchaus ignoriert werden können und als Sackgassen verenden dürfen. Also: Wiese an Wiese, Wasser an Wasser, aber keinesfalls Wasser an Wiese. Klar soweit?
  5. Der Lohn der Mühen: Jetzt gibts Punkte. Wofür? Schwer zu sagen, da das nicht nur von Partie zu Partie wechselt, sondern innerhalb eines Spiels auch von Runde zu Runde. Abgesahnt wird trotzdem. Hoffentlich. Wenn nicht, hilft vielleicht ein Schlückchen Talisker als Trost…

    Isle of Skye Spiel Lookout

    Beispielhafter Aufbau. Wie man unten sieht, gibt es Punkte in vier Kategorien, die jeweils in drei Runden punkten. Wann, wer mit wem ist aber äußerst wichtig. Mit 18 Zielen und vier Plätzen sind 73440 Kombinationen (18!/14!) möglich.

Spielende
Nach der Wertungsphase der sechsten Runde ist das Spiel vorbei und es gibt ein letztes mal Punkte. Einerseits für übriggebliebenes Geld (5:1), andererseits für Spezialplättchen, die Spieler eventuell in ihrer Auslage haben. Die können z.B. noch einmal einen Punkt für je zwei Kühe/Schiffe/Leuchttürme/wasauchimmer geben. Wer danach die meisten Punkte hat, gewinnt die Partie und muss nächstes mal den Whisky mitbringen. Oder so.

Fazit
Mir persönlich – und wenn ich nicht komplett danebenliege, auch all meinen bisherigen Mitspielern – hat Isle of Skye außerordentlich gut gefallen. Obwohl AUktions- und Handelsspielen eher abhold, hat mich der Marktmechanismus wirklich überzeugt. Durch die unterschiedlichen Wertungen und auch die Spezialplättchen, gibt es keine generisch guten Plättchen und es erfordert einiges an Geschick, die richtigen Preise festzulegen, damit man Geld verdient, bzw. Plättchen selbst behält, die man gerne hätte, ohne zuviel dafür ausgeben zu müssen. Selbst die tollsten Landschaften bringen nämlich nichts, wenn man dafür in der nächsten Runde aussetzt, weil man pleite ist. Und was in der letzten Runde noch ein Schnäppchen war, kann in der nächsten schon Fantastillionen kosten, weil ich ein passendes Spezialgerät ersteigert habe.
Hierüber kommt auch ein gerüttelt Maß an indirekter Interaktion in das eigentlich eher solitäre Herumbauen. Die Preise wollen immer so gewählt sein, dass entweder

  • ich die Punkte einheimse oder
  • ein hinter mir platzierter Spieler die Punkte bekommt und mich dafür entlohnt oder
  • ein vor mir platzierter Spieler mich so hoch dafür entlohnt, dass der Nettogewinn auf meiner Seite steht und
  • ich auch im Falle, dass niemand bei mir kauft, bevor ich dran bin, ich genügend Geld für die eigenen Einkäufe habe.

Das alles unter einen Hut zu bringen, erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Sind diese vorhanden, kann sich Isle of Skye in eine Bieterschlacht verwandeln, die sich gewaschen hat.
So weit, so gut. Was das Spiel von wirklich gut zu herausragend befördert, ist die Tatsache, dass diese Spieltiefe mit Mechanismen erzeugt wird, die eigentlich jedem Menschen geläufig sind. Kaufen und verkaufen. Und das mit so wenig Regelaufwand, dass es auch als gehobenes Familienspiel noch seinen Reiz entfalten kann. Meiner Meinung nach hat sich Lookout Spiele mit Isle of Skye nach einigen Enttäuschungen definitiv wieder in die Liga derjenigen Verlage zurückgebracht, deren Veröffentlichungen ich mir auf jeden Fall anschaue.
Ausstattung und Grafik entsprechen im Übrigen der Qualität, die man aus dem Hause Lookout gewohnt ist. Hochwertig, da kann man nicht dran herummäkeln.

Isle of Skye
Spieler: 2-5
Dauer: ca. 60 Minuten
Autor: Andreas Pelikan und Alexander Pfister

Verlag: Lookout

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4 Kommentare

  1. und wo isch mei report aus Neuengland?

  2. Kennt man Pelikan oder Pfister auch aus anderen Spielen?

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