Kalter Krieg am Wasserloch – Evolution

Evolution Pinguin

So kann man sich viele der Tier in Evolution vorstellen. Wer mehr mag, klicke hier.

Wer kennt das nicht: Da hat man sich über Jahrtausende vermittels Mutation mühsam aus der Ursuppe heraus an Land begeben, um dann festzustellen, dass es sich ohne Wasser einfach nicht gut leben lässt. Nun gut, züchten wir uns Beine und gucken mal, ob es nicht irgendwo einen Tümpel gibt. Hat man den gefunden und sich einen Magen hinmutiert, der die umstehenden Pflanzen auch verdauen kann, wähnt man sich im Paradies. Andere Spezies sind allerdings vielleicht auf denselben Trichter gekommen und schon bald wirds am Wasserloch genauso eng wie dereinst in der guten alten Ursuppe. Da hätte man sich die letzten fünf Millionen Jahre auch irgendwie sparen können. Sei`s drum, mutieren wir halt zum Fleischfresser, um mal ein bißchen Tabula rasa zu machen. Das Angebot an Nahrung ist dann auch schön vielfältig. Aber wehe, die Konkurrenz erlernt das Klettern, dann schaut man wieder dumm aus der Wäsche. And so on…

Spielziel
Das Ziel von Evolution, das wir ja schon kurz in unserer Messeübersicht erwähnt hatten,  ist es letztlich, derjenige Spieler zu sein, dessen Spezies im Verlauf des Spiels mehr gefressen haben als die aller anderen. Ein prall gefüllter Bauch ist ja auch mal was anderes als Goldmünzen, Gebietseroberung und dergleichen Standardsiegbedingungen. Als kleiner Bonus werden noch die Populationsgrößen der eigenen Spezies und die Anzahl ihrer Fähigkeiten hinzuaddiert. Wer mit Karten/Population/Nahrungsmarkern die höchste Zahl erreicht, kann sich König des Urwaldtümpels nennen und meinetwegen das nächste Spiel vorschlagen. Wie kommen wir da aber hin?

Spielablauf
Zu Beginn erhält jeder Mitstreiter eine Spezies, bestehend aus einem Tableau, auf dem sich Körpergröße und Population (jeweils auf einer Skala von 1 bis 6) festhalten lassen, die Tischmitte wird mit dem heißbegehrten Wasserloch verziert und schon kann es losgehen.
Beginnend beim aktuellen Startspieler erhält daraufhin jeder sein „Rundeneinkommen“ an Spielkarten. Das sind grundlegend immer drei Karten zuzüglich einer für jede Spezies, die der betreffende Spieler kontrolliert. Zu Beginn sind das also vier. Jede Karte hat in der linken oberen Ecke eine Zahl stehen, die nun genutzt wird, um verdeckt die Nahrungsvorräte im Tümpel zu befüllen. Jeder muss also eine Karte „opfern“, damit alle was zu fressen kriegen (oder auch nicht).
Dann wird reihum gespielt, wobei jeder Spieler letztlich drei Optionen für seine übriggebliebenen Handkarten hat:

  1. Eine Karte kann ungenutzt abgeworfen werden, um sich eine weitere Spezies (mit den Startwerten Körpergröße 1, Population 1) zu nehmen.
  2. Desweiteren kann ein Abwerfen dazu genutzt werden, bei einer ausliegenden Spezies entweder die Größe oder die Anzahl um eins zu erhöhen.
  3. Der Kern des Spiels. Karten können (zunächst verdeckt) als Fähigkeiten an die vorhandenen Spezies angelegt werden, um diese effizienter um die meist knappe Nahrung konkurrieren zu lassen. Am Rundenende, bevor es ans Fressen geht, decken alle Spieler ihre ausgespielten Fähigkeiten auf.
Evolution Spiel

So sieht das ganze dann aus.

Sind alle damit fertig, kommt es anschließend zur Ernährumgsphase. Die zuvor verdeckt ausgespielten Nahrungskarten werden aufgedeckt und der addierten Summe entsprechend viele Nahrungsmarker im Teich bereitgelegt. Unter Umständen kommen jetzt die ersten ausgespielten Fähigkeiten zum Tragen. So erhalten zum Beispiel fruchtbare Spezies jetzt einen Populationszuwachs, sofern aus der letzten Runde noch Nahrungsmarker im Tümpel liegen, Tiere mit langem Hals bekommen schon einmal einen Marker aus dem Vorrat und so weiter. Sobald diese Fähigkeiten abgehandelt sind, kommt es zum großen Fressen:
Reihum darf sich jeder Spieler einen Marker aus dem Wasserloch nehmen und auf die Nahrungsleiste einer seiner Spezies legen, sofern noch Platz ist (Das heißt: Population>vorhandene Marker). Dies geht solange reihum, bis entweder der Tümpel leer ist oder alle Viecher gesättigt sind. Satt ist eine Spezies, wenn die Anzahl der Nahrungsmarker ihrer Population gleichkommt (Ausnahme: Fettschicht). Da das allerdings langweilig wäre und außerdem den Titel dieses Artikels nicht rechtfertigen würde, muss da noch mehr gehen.
Auftritt: Fleischfresser!
Ist ja klar: Wenn es tendenziell zu wenig Nahrung für alle gibt, werden sich schon Fleischfresser entwickeln. Die haben gar kein Interesse am Wasserloch, die bedienen sich direkt an anderen Viechern. Und sie sind es, die letztlich ein Spiel aus dem Ganzen machen, doch dazu mehr im nächsten Absatz. Die Ernährungsphase endet noch schnell, indem alle gefressenen Marker ins Siegpunktsäckchen wandern und eventuell unterernährte Tierarten Federn lassen, indem ihre Populationszahl auf die Anzahl der gesammelten Marker reduziert wird.

Spielende
Ist der gesamte Kartenstapel durchgespielt, folgt eine letzte Runde, für die der Ablagestapel neu gemischt wird und das wars dann. Wer jetzt am meisten Punkte (Nahrungsmarker + Tiere + Fähigkeiten) hat, ist Sieger des Geplänkels.

Evolution Spiel Karten

Gut die Hälfte der Möglichkeiten…

Kalter Krieg?
Was macht nun den Reiz von Evolution aus? Es ist, wie auch in Smash Up die Kombination, oder noch eher, mögliche Kombination von Kartenauslagen. Der oben schon erwähnte Fleischfresser machts möglich. Durch ihn erhält das Spiel einen Rüstungswettbewerbscharakter, der es in sich hat. Nicht nur macht der Fleischfresser seine Punkte unabhängig von der Hauptnahrungsquelle, obendrein kostet er das Opfer potenzielle Punkte, da er bei jedem Festschmaus die Population des Opfers um eins verringert. Ergo sollte man ihn zwingen, sich bei den Spezies des eigenen Spielers zu bedienen.
Das geht? Ja, das geht.
Fleischfresser fressen immer, solange sie nicht satt sind. Sollten alle gegnerischen Tiere geschützt sein, frisst er auch diejenigen des Spielers, der ihn kontrolliet. Grundlegend hat er ohnehin die Einschränkung, dass er nur kleinere Tiere vertilgen kann, aber das lässt  sich erweitern. Wenn ein Pflanzenfresser die Fähigkeit Verbergen hat, kann er nicht mehr gefressen werden, sobald die Anzahl seiner Nahrungschips diejenige seiner Population erreicht hat. Das geht umso schneller, wenn er mittels Fettschicht Vorräte aus der letzten Runde gespeichert hat oder sie sich mittels der Kombination Langer Hals (vor dem Dinner fressen) und Gefrässig (wenn er frisst, dann doppelt) besorgt, bevor eventuelle Carnivoren überhaupt zum Zuge kommen. Da hilft auf Seiten des Raubtiers nur noch Intelligenz weiter, mit der sich u.U. einzelne Fähigkeiten der Opfer umgehen lassen. Potenzielle Beutetiere können es sich auch einfacher machen: Kletternde Tiere können nur gefressen werden, sofern das Raubtier dieselbe Fähigkeit hat, ein Warnruf schützt die Nachbarn, sofern die Räuber keinen Hinterhalt legen können undundund…
Da jede einzelne Spezies nur maximal drei Fähigkeiten haben darf, findet über diesen Mechanismus ein permanenter Rüstungswettstreit zwischen Fleisch- und Pflanzenfressern statt.

Evolution Spiel

Der Labradorca. Einer meiner Favourites von Boredpanda

Fazit
Disclaimer: Wir finden es auch blöd, dass SchmidtSpiele die Materialmenge so reduziert hat, dass man nicht wie im Original mit bis zu sechs Spielern spielen kann! Derartige Verlagsverfehlungen (a geh! Des hätt sonst an Zwhner mehr kostn müssn! Jaja…) sollten vielleicht beizeiten mal einen eigenen Artikel bekommen. Hier soll es aber um das Spiel gehen, nicht um die Verlags-/Vertriebsarbeit. Los gehts:
Auch nach deutlich mehr als der üblichen für eine Rezension nötigen Anzahl (10+) von Partien macht uns Evolution immer noch Spaß. Zugegebenermaßen warten wir auf die Übersetzung der ersten Erweiterung, aber auch das Grundspiel sorgt nach wie vor für Spaß und jede Menge Bambule am Tisch. Kalter Krieg ist definitiv der richtige Ausdruck, da alle Spieler permanent aufrüsten, um potenzielle Probleme abzuwehren. Einerseits gilt es, genug Nahrung zu ergattern, auch wenn der Tümpel nicht für alle reichen sollte, andererseits muss man sich permanent gegen die meist wachsende Zahl von Carnivoren wehren. Ich glaube nicht, dass wir die Killerkombi gefunden haben, weil es einfach zu viele gute Kartenkombinationen gibt, die es auszuprobieren gilt. Wahrscheinlich existiert die Siegstrategie nicht, und das ist ja immer ein gutes Zeichen.
Ein großes Plus ist  definitiv die geringe Regeltiefe, auch wenn das Spiel durchaus sehr komplex werden kann. Was es aber nicht muss. In der Hinsicht erinnert es sehr an Imperial Settlers oder auch das kürzlich besprochene Isle of Skye, da es durchaus für Gelegenheitsspieler spielbar ist, diese aber auch nach wenigen Partien mehr rauskitzeln wollen. Das ist zumindest unsere Erfahrung. Meiner Meinung nach hätte Evolution den roten Pöppel 2016 verdient, aber ich komme da auch eher von einer 1996(El Grande)-Perspektive. Nach den Preisträgern der letzten Jahre, von denen Colt Express sich ja quasi als Expertenspiel abgehoben hat, könnte ich auch mit dem bisher ja recht durchwachsenen Kennerspielpöppel leben.
Zumindest gönnte ich es Schmidt, mit diesem Titel in den Nominierungen zu landen, da er wirklich auf verschiedenen Niveaus spielbar ist und mit wenig Grundregeln auskommt.
Für mich ein Spiel, das in keiner Sammlung fehlen sollte.

Evolution
Spieler: 2-4

Dauer: 50-90
Autoren: Dominic Crapuchettes, Dmitry Knorre, Sergey Machin
Verlag: Schmidt Spiele

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

6 Kommentare

  1. Hallo 🙂
    Endlich haben wir nun Evolution gespielt und ich muss sagen: ich bin begeistert! Es ist so thematisch und dynamisch. Wer sich nicht an die Spielsituation anpasst stirbt wahrscheinlich aus. Toll. Dabei müssen nicht mal viele Fleischfresser im Spiel sein. Obwohl meistens mindestens einer zum Fleischfresser werden muss, da selten für alle genug Pflanzennahrung da ist. Anfangs geht es ja noch aber so ab mitte des Spieles fangt es an eng zu werden … Weiß man vielleicht schon ob es auch die Erweiterung auf deutsch geben wird?

    • Hallo Andi,
      soweit ich weiß ist die Übersetzung in der Mache. Ich tippe mal, dass wir sie in Essen dann zu sehen bekommen. Ich persönlich erwarte sie auch schon sehnlichst, die Flieger scheinen das Spiel noch einmal zu bereichern.

      • Na dann hoffen wir mal auf das beste 🙂 Auf BGG hab ich gesehen, dass 2016 auf Englisch „Scenario Cards“ für Evolution rauskommen soll. Scheint eine Mini Erweiterung zu sein. Besteht aus ein paar Karten die die Regeln für die Runde in wenig abänder z.b. Unlimitierte Anzahl von Eigenschaften pro Spezies oder 1 Eigenschaft pro Spezies … etc.

  2. „Evolution“ … ich habe es wirklich versucht, aber nach einer ganzen Reihe von Spielrunden und einem stets großen, großen Frustfaktor meinerseits habe ich beschlossen, das nicht mehr zu spielen… Ich glaube, es ist mir zu aggressiv/destruktiv, obwohl die Spielidee und -umsetzung eeecht supergenial ist. Wäre dann mal für die Vegetariervariante zu haben 🙂

    • Das ist allerdings wahr. Kuscheln ist in Evolution nicht möglich. Kennst Du „Imperial Settlers“ oder „Die Schlösser des König Ludwig“? Die finde ich vom Anspruch her ähnlich, aber die Interaktion ist weniger aggressiv und eher indirekt.

      • Hei!
        Beide von dir genannten Spiele kenne ich nicht. Werde ich mir mal angucken, danke für die Tipps.
        Der Kumpel und „Evolution“-Besitzer, mit dem ich das gespielt habe, hat meine Frustration aber verstanden und glücklicherweise genügend andere Spiele, die wir noch probieren wollen und können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.