Justus Jonas kann es auch nicht besser – Escape Games im Vergleich

So langsam dürfte es wohl jeder mitbekommen haben haben: EscapeRooms sind das Ding in der Freizeitgestaltung  in größeren Städten geworden. Allein in unserem beschaulichen Freiburg habe ich bei der letzten Zählung insgesamt 15 Räume entdeckt. 15! In Freiburg! Da ist die nähere Umgebung nicht einmal mit drin. Es gibt schöne und es gibt gute. Und es gibt schöne und gute. Such- und sortierbar sind sie übrigens alle (!) auf escape-game.org. Die meisten sind Franchisenehmer, aber es gibt auch ein paar Originale wie das Frexit (Werbung für andere Freiburger Entrepeneurs muss gestattet sein!). Es nimmt daher nicht Wunder, dass die Spieleverlage sich überlegt haben, wie man das ins heimische Wohnzimmer transferieren kann. Manuels (Brettspielelabor) Rätselkoffer haben wir noch nicht getestet, aber die Schachteln der „großen“ Anbieter KOSMOS, NORIS, ASMODEE und ThinkFun haben wir geöffnet und versucht, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln.

Da genügend andere Blogger die einzelnen Produkte ausführlich getestet haben (Brettspieltipps: KOSMOS‘ Exit, Reich der Spiele: Noris‘ Escape Room – Das Spiel, Spielstil: Asmodees Unlock!, um nur einige zu nennen), haben wir uns überlegt, wir schreiben mal einen Artikel darüber, für welche vermeintliche Zielgruppe welches der Angebote unserer Meinung nach am Besten passt. Oh, und ich werde den Teufel tun und hier „spoilerfrei“ hinschreiben. Es kann spoilerfrei ablaufen. Vielleicht aber auch nicht. Ihr seid also gewarnt.

Escape the room Noris

Noris Werbebildchen. Eine Schachtel, vier Spiele. den Decoder oben rechts braucht man dann auch für die diversen mittlerweile erhältlichen Erweiterungen.

Grundsätzlicher Ablauf

Grundsätzlich kann man festhalten, dass alle vier Spiele (Spiele? Oder eher Freizeitgestaltungsmöglichkeiten?) dem selben Muster folgen: Der/die geneigte Spieler/in und ihre Freunde/innen, von geschlechtsneutralen Formulierungen mal ganz abgesehen (um zu demonstrieren, warum ich meist nur „Spieler“ schreibe, obwohl ich Frauen ungemein schätze, „meine“ allerdings noch mehr als andere, auch wenn das erneut diskriminierend ist) öffnen die Schachtel, eventuell noch einen Umschlag oder ein Päckchen Karten, von denen man aber nur eine ansehen darf und los geht der Rätselspaß. Man hat üblicherweise eine Stunde Zeit, das/die Rätsel zu knacken. Schafft man dies nicht, hat man verloren. Letztlich also exakt das selbe Schema wie in den in der Einleitung erwähnten Live Escape Rooms, nur dass man eben am heimischen Spieltisch sitzt. Werden im „echten“ Escape Room üblicherweise 19-25 Euro pro Person verlangt, liegt der Preis im Brettspielbereich eher bei 10-15 Euro pro Rätsel, unabhängig von der Spielerzahl. Für mich ein klares Plus, allerdings verzichtet man natürlich auf das Erlebnis, tatsächlich eingesperrt zu sein und ich kann absolut nachvollziehen, dass das manchen Zeitgenossen den Aufpreis wert ist.
Da liegt dann auch schon der erste Unterschied zwischen den Herstellern: Kosmos und ThinkFun verkaufen die Rätsel als jeweils eigene Schachtel, während die beiden Mitbewerber je drei bzw. vier Rätsel in eine Schachtel für 35 bis 40 Euro werfen.
Hat man den Kram ausgepackt, fällt eines sofort ins Auge: Während Kosmos 2 Kartenstapel, ein Heftchen und den einen oder anderen Stanzbogen verkauft, beinhaltet Asmodees Schachtel lediglich Karten, während Noris ein riesiges Plastikteil mitliefert, das mit Batterien gefüttert werden will, um zu funktionieren. Und funktionieren muss das, denn dieser so genannte Chrono-Decoder steuert sämtliche Rätsel (Defekte Decoder haben schon für viele sehr schlechte Rezensionen gesorgt). ThinkFuns Rätsel hingegen haben (zumindest in unserem Test, dem „Geheimnis der Sternwarte“) tonnenweise verschlossene Umschläge, deren Rückseite Rätsel bilden. Sind die gelöst, darf man den Inhalt herauspopeln und weiterrätseln.
Bei Unlock! läuft jedes Rätsel letztlich darauf hinaus, die Summe zweier Zahlen (die es aber häufig erst zu errätseln gilt) zu bilden und sich die entsprechende Karte anzusehen. Liegt hier ein Fehler vor, verliert man Zeit, war alles richtig, ist die neue Karte Teil des nächsten oder eines noch offenen Rätsels. Noris liefert eine große Menge Plastikschlüssel mit, deren vier jeweils zur Probe vermeintlicher Lösungen dienen. Auf diesen Schlüsseln sind Buchstaben, arabische und römische Zahlen, Vertiefungen an unterschiedlichen Stellen, geometrische Figuren und natürlich die Schlüsselbärte angebracht und die Lösungen bestehen immer aus einer dieser Kategorien. Zudem liegen nicht nur einfach verschweißte Kartenstapel in der Schachtel, sondern Umschläge mit den für das gewählte Szenario notwendigen Materialien. Das von mir gespielte Rätsel bestand aus drei Umschlägen, von denen erstmal nur einer zu öffnen ist. Nach der Lösung des ersten Problems gehts dann zu Umschlag zwei und so weiter.
Bei Kosmos (EXIT) und ThinkFun wiederum werden Lösungsversuche anhand einer clever gestalteten mehrstufigen Pappscheibe unternommen. Das sind mehrere übereinanderliegende Lochscheiben, die zum momentanen Rätsel und dessen vermeintlicher Lösung passend eingestellt werden müssen. War der Lösungsversuch korrekt, verrät die Scheibe, womit es weitergeht. If not, then not.

EXIT Kosmos

Das runde Ding ist die Lösungsscheibe. Damit man sich darunter mal was vorstellen kann. Das hier ist EXIT von Kosmos

Wie sehen denn diese Rätsel nu so aus?

Hier gibts wirklich alles bei allen, allerdings in Abstufungen. Texte, aus denen man Zahlen rekonstruieren muss, Land- oder Raumkarten, die automatisch neue Karten ins Spiel bringen, mathematische wie abstrakte Rätsel, Suchaufgaben und und und. From least to most:

  1. Unlock! ist materialbedingt am wenigsten breit aufgestellt. Man hat nun einmal nur Karten zur Verfügung, das schränkt selbstverständlich ein. Für Abwechslung ist allerdings dennoch zuhauf gesorgt. Ein kleine Manko allerdings: In der Anleitung gibt es eine so genannte „Goldene Regel“. Die soll helfen, Fehler zu vermeiden. Allerdings brechen alle drei Grundspielszenarien diese Regel. Was bitte soll das?
    Thematisch fand ich die drei Szenarien sehr abwechslungsreich und ansprechend. Die coolste Idee war es gewiß, dass in einem Szenario die Spieler in zwei Teams aufgeteilt sind, mit jeweils eigenem Kartenstapel und erst im Verlauf der Partie mehr und mehr zusammenkommen, bis man hinten raus wieder komplett zusammen rumhirnen darf. Schön gemacht.
    Hinweise gibt die mitgelieferte App auf Anfrage, die auch für jedes Spiel einen passenden und stimmungsvollen Soundtrack beinhaltet sowie als Stoppuhr dient.
  2. EXIT bietet dann schon etwas mehr. Zusätzlich zu den Karten hat man hier ein Heftchen mit Bildern und Texten, unter Umständen einige Pappteile zum herumpuzzlen, teilweise spielt sogar die Schachtel mit.
    Ne App brauchts nicht, jedes Rätsel hat einen eigenen Hinweiskartenstapel, den man bei Bedarf nach und nach abheben kann und die Lösungen werden, wie erwähnt, mit einer klug gestalteten Drehscheibe überprüft. Im Gegensatz zu Unlock! verliert man hier natürlich weniger den Überblick, da die einzelnen Rätsel stärker voneinander getrennt sind. Beim Konkurrenzprodukt kann es passieren, dass irgendwann 15 Karten auf dem Tisch liegen und Teil des Rätsel ist, dass man herausfindet, was überhaupt wozu gehören könnte.
    Obacht allerdings, wenn man es ein zweites mal spielen will, manches sollte dann kopiert werden, denn hier geht Material kaputt.
  3. Escape Room – Das Spiel geht dann noch einen Schritt weiter. Auf Spielkarten wird komplett verzichtet, die Umschläge beinhalten großformatige Bodenpläne, Schlangen aus Papier, Puzzleteile und was auch immer Ihr Euch vorstellen könnt. Hier entfernt man sich somit stark von dem, was man vom Inhalt einer „Spieleschachtel“ üblicherweise erwartet. Das ist einfach nur Kram, mit dem man spielerisch heraufinden soll, was wohin/wozu gehört. Ich fand das persönlich sehr schön, weil es die Atmosphäre meiner Meinung nach besser einfängt. Der Nachteil ist, dass man entweder viel abmalen oder kopieren muss, wenn man das jeweilige Szenario später noch einmal in anderer Runde spielen oder es Freunden und Verwandten ausleihen möchte. Eher Einwegspiel also. Der Chrono-Decoder kann dafür alles, was die App bei Asmodee kann, ist zudem auch immer wieder in Rätsel involviert. Man braucht also kein zusätzliches Material, sei es nun ne Stoppuhr oder eine App.
  4. Escape the Room ist ähnlich aufgebaut, hat aber noch viel mehr Kram. Da klebt dann auch mal etwas so auf nem Umschlag, dass man lange denkt, es wäre aufgedruckt und erst spät merkt, dass es sich lösen lässt und als Teil eines anderen Rätsels entpuppt. Darf man einen Umschlag öffnen, gibt es neuen Kram, teils sind da dann auch wieder andere Umschläge drin. Bspw. einer der ein verschlossenes Schmuckkästchen darstellt, dass man in der zuvor verschlossenen Kommode (vorheriger Umschlag) gefunden hat. Und was man findet, braucht man vielleicht erst viel später. Oder ist unvollständig, so dass man es erst nutzen kann, wenn andere Rätsel gelöst sind. Schön daran ist, dass man hier viel Haptik hat. Es gibt unheimlich viel Zeug, dass man anfassen muss, um damit herumzuprobieren, die Rätsel sind weniger kopflastig, auch wenn es diese durchaus auch gibt.
    Wirklich unschön fiel auf, dass es keinerlei Hinweissystem gibt, dass sich in der Schachtel fände, sollte man Tipps brauchen, um fortzukommen, muss man diese umständlich auf HCM Kinzels Internetseite heraussuchen. Das hätte man angesichts der ansonsten hochwertigen und tollen Produktion irgendwie besser lösen müssen.
    Bonus allerdings: Noch mehr Zeug als bei Noris, aber komplett wiederverwertbar. Nichts wird zerschnitten, nichts geknickt und die besagte Internetseite hat auch eine Wiederzusammenbauanleitung. Die brauchts allerdings auch.

    Asmodee Unlock!

    Drei Szenarien, drei Stile. Gefiel mir gut. Unlock! von Asmodee. Hier gibts die Regeln und ein Probeszenario kostenlos.

Fazit: Für wen soll das nun gut sein?

Das hängt wirklich vom Hersteller ab. Die Spielerzahl-, Spielzeit-, und Altersangaben auf den Schachteln unscheiden sich nicht groß, sollten es meiner Meinung nach aber. Ich finde, es gibt klare Unterschiede in der Schwierigkeit bei den verschiedenen Herstellern.
Beginnen würde ich mit dem meiner Meinung nach einfachsten:

  • Das war mit Abstand Escape the room. Es war vom Spielgefühl her das tollste, weil abwechslungsreichste. Allerdings hatten wir es nach dreißig Minuten gelöst, obwohl wir uns zwischenzeitlich sehr verrannt hatten. Hat man aber zum Beispiel den einen oder anderen jüngeren Mitspieler im Alter vom 8-10 Jahren dabei, dürfte es das geeignetste sein. Haben wir auch ausprobiert, klappt prima. Bei den anderen dürfte die Altersgruppe schnell die Geduld verlieren, so sie nicht große Rätselfans sind. Kinder allein dürften aber wiederum überfordert sein. Das gilt aber für alle ausprobierten Escape Games.
  • Ein wenig kopflastiger werden die Rätsel dann bei Kosmos‘ EXIT. Hier gilt es schon sehr viel mehr theoretisch zu durchdenken. Allerdings bieten die Rätsel eine ziemlich offensichtliche Struktur in ihren Abläufen, man verheddert sich also weniger. Es ist eher nicht vorgesehen, dass man etwas übersieht, weil es schon seit einer halben Stunde herumliegt und vergessen wurde. Klares Plus, wenn man mit Pubertierenden spielt, die ja angeblich eher die Aufmerksamkeitsspanne eine sKanarienvogels haben sollen. Hab ich jedenfalls aus informierter Quelle gehört. Meiner Meinung nach das Spiel für Neulinge im Rätselsektor. Wer sich schon mal hat einsperren lassen oder sonstwie großer Rätselfan ist, dürfte es eher als kleine Trockenübung ansehen.
    Einschränkend sei allerdings erwähnt, dass ich bislang nur „Die verlassene Hütte“ habe probieren können, die anderen fünf sind noch nicht getestet. Dazu können Florian (oder das Biomüsli, so es denn mitliest) vielleicht etwas in den Kommentaren sagen.
  • Schwerer einzusortieren sind dann die anderen beiden Verdächtigen, in beiden Fällen aus dem gleichen Grund: Escape Room – Das Spiel liefert vier Szenarien mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Bin ich recht informiert, habe ich das schwerste gespielt und wir waren auch tatsächlich am Ende 20 Minuten über der Zeit. Dazu kann man nur sagen, dass, steht man einmal auf dem Schlauch, dies ein bequemer Standort sein kann, den man ungern verlässt…
    Andererseits habe ich auch mit Leuten gesprochen, die am Einfachsten scheiterten, während sie durch „meins“ nur so durchgerauscht sind. Wahrscheinlich liegen verschiedenen Leuten verschiedene Arten von Rätseln.
    Großer Bonus hier: Noris hat die abwechslungsreichsten Lösungswege. Während alle anderen (Zahlenkombi oder Symbolkombi) denselben Stiefel immer wiederholen, ist hier durch die Architektur der Lösungen über die Schlüssel mehr Vielfalt geboten.
  • Last, but not least: Unlock! hat ebenfalls (kein Wunder, haben sich doch drei Autoren die drei Szenarien überlegt) unterschiedliche Anspruchslevel in der Schachtel. Während wir mithilfe der Mäuse keine dreißig Minuten brauchten, um die Weltuntergangsmaschine aufzuhalten (Hut ab vor dem originellen Thema!), war „Die Insel des Doktor Goorse“ mit Abstand das schwierigste Escape Game bisher. Dies lag auch daran, dass man in zwei Teams startet und erst nach und nach (da muss irgendwie ein Funkgerät repariert werden) miteinander kommunizieren darf, bis man schließlich – kurz vor Ende – zusammenfindet und den Rest gemeinsam rätselt.
    Sowohl dieses als auch Escape Room – Das Spiel würde ich allein des Preises wegen (drei Rätsel halt statt einem) nur empfehlen, wenn man weiß, das einem so etwas auch liegt. Dann aber absolut.

Nu aber echt mal Fazit:
Uns haben alle (!) wirklich Spaß bereitet. Ich hoffe, ich konnte hier dem einen oder anderen Unentschlossenen helfen das richtige Spiel für seine Bedürfnisse zu finden. Wem Sudoku zuwenig Abwechslung bietet kann sich hier auch mit schmalem Budget jede Menge Spaß ins Haus holen. Letztlich kostet ein Rätsel für vier Leute hier so viel wie eine (!) Eintrittskarte für einen 3D-Blockbuster.

In diesem Sinne: Ruft ein paar Freunde an, leiht Euch im freispiel ein Escape Game und habt viel Spaß damit.

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6 Kommentare

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  3. Kein Kommentar von mir. Hatte einen geschrieben, aber eure Seite hält mich für einen Roboter.

    TLDR: EXIT logisch daher leichter, Escape Room vielfältiger, aber… Teppichmuster…

  4. Na das mit dem Rätselkoffer müssen wir noch ändern. Wobei er gerade mal wieder Unterwegs ist.

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